Rady’s Mountain Marathon
Pontresina 14./15. August 2010
Gespannt auf das anstrengende Erlebnis in den Bergen wartet ein bunter Haufen von Laufbegeisterten auf den Startschuss: einige mit einem grossen Pack auf dem Rücken, andere mit Leichtgewichtrucksäcken und minutiös durchdachtem Inhalt. Auf jedes Gramm zu schauen zahlt sich bei einem Wettkampf wie dem Rady’s Mountain Marathon aus, denn das persönliche Gepäck muss während der gesamten Laufzeit mitgetragen werden. Vorgeschrieben sind ein Zelt mit angenähtem Boden, je ein Schlafsack, Regenbekleidung, genügend Essen für zwei Tage und auch Trillerpfeife und Kompass dürfen nicht fehlen. Drei…zwei…eins…Und los geht’s! Jedes Team erhält einen Zettel, auf welchem die Koordinaten draufstehen mit den Posten, die angelaufen werden müssen. Wir, die „Geissetriiber“ vom Bächli, tragen erst mal nur den ersten Posten auf die Karte ein und rennen los. Schon auf dem Weg zum zweiten Posten sehen wir kaum mehr ein anderes Team, was aber nicht daran liegt, dass wir alle anderen abgehängt haben, sondern an der sehr unterschiedlichen Routenwahl. Links oder rechts um den Berg herum oder quer drüber? Diese Entscheide müssen schnell gefällt werden, ein falscher Entscheid kann schnell mal zwanzig Minuten kosten. Der Himmel verdunkelt sich langsam und mehrmals zwingen uns Hunger und Durst zu kurzen Powerbar- und Trinkpausen. Werden wir noch vor dem ersten Regen im Ziel unser Zelt aufstellen können? Wir hoffen’s und geben nochmals Gas, den letzten Hügel hoch zu einem Felsband, wieder runter und durch feuchte Wiesen und Sumpfgebiete bis zum Ziel des ersten Tages mitten in der Berglandschaft in der Nähe des Bernina-Passes. Es hat gereicht, wir können unser Zelt im Trocknen aufstellen. Von nun an sollte es aber den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht einfach nur noch regnen. Wir kriechen also in unser Zelt und essen die kilometerweit getragenen Essensvorräte. Als Kocher dient uns ein Aluminium-Vorratsbehälter, den wir mit einigen Luftzufuhr-Löchern versehen und eine Meta-Tablette (eine Art Zündwürfel) in die Mitte legen. Darüber kommt als Pfanne nochmals ein Alu-Behälter und wir kochen leckere China-Suppe darin. So leicht und erst noch günstig ist kein Kocher! Aber ehrlich gesagt sehnen wir uns trotzdem nach einem richtigen Kocher mit grosser Pfanne, so hungrig sind wir nach der fast vierstündigen ersten Etappe. Sehr froh sind wir in der Nacht um die warmen Daunen-Schlafsäcke, denn Kälte und Regen dringen in unser Zelt ein. Es regnet und regnet und regnet und wir befürchten schon, die zweite Etappe würde wegen zu starker Strömung in den Flüssen, die überquert werden müssen, abgesagt werden. Nix da, weiter geht’s frühmorgens, auf zur zweiten Etappe. Da wir weniger als eine Stunde Rückstand haben auf das Siegerteam des ersten Tages, können wir noch vor dem Massenstart los. Der Regen hat pünktlich aufgehört, aber alles ist nass und wir finden kleine Seen, die auf der Karte nirgends auffindbar sind und eigentlich gar nicht da sein sollten. So ist es schwierig, „echte“ und „falsche“ Seen voneinander zu unterscheiden, genaues Kartenlesen ist jetzt wichtig. Wir kämpfen uns weiter und sind froh, dass unsere Rucksäcke immer leichter werden, weil die Essensvorräte schrumpfen. Nach einem langen Aufstieg geht’s schlussendlich fast nur noch bergab. Die sowieso schon müden Knie wollen anfangen zu schlottern, aber wir geben ihnen keine Chance und eilen die letzten Höhenmeter runter bis ins Ziel. Glücklich und zufrieden über die erbrachte Leistung gönnen wir uns eine lange und warme Dusche und einen Riesenteller Spaghetti. Auf dem Weg zum Bahnhof für die Heimreise ist es beruhigend zu sehen, dass ausser uns noch andere Teams wegen den Schlotterknien und verkaterten Muskeln kaum mehr normal laufen können und ein lustiges Bild abgeben.
Von Simon Egger und Martina Schilliger
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