Ausbildung Avers
Bouldern und Camping
Der Herr der Blöcke
Es war einmal, in einem weit entfernten Tal unweit Ferrera, auf knapp 1300 Metern Höhe, im verwunschenen Magic Wood. Nebelschwaden hängen tief in dem stark vermoosten Labyrinth aus Bäumen, Wurzeln und Felsblöcken. Die Sonne brennt sich erst langsam durch den Tau des letzten Nachtfrostes. Durch das Dickicht kämpft sich eine schnaufende Meute unwirtlicher Gestalten. Sie haben die Fährte von anderen ihrer Art aufgenommen, was ihnen hilft nicht dem Wahnsinn zu verfallen oder sich gar zu verlaufen. Sie sind auf der Jagd nach den Gneisen, jenen metamorphen Ungetümen mit hohem Umwandlungsgrad, lagig-flaserig bis grobschieferig, und oft sichtbar gebändert. Gneise sind weltweit verbreitet und finden sich häufig in den alten Kernen der Kontinente, wo sie durch tief reichende Erosion freigelegt wurden. In der Regel haben sie seit ihrer Entstehung gleich mehrere Phasen der Regionalmetamorphosen mitgemacht. Sie bilden die ältesten Gesteinsformationen der Erde. Im Magic Wood, diesem dicht bewachsenen Waldhang, sehen sich unsere 18 Gefährten mit einem riesigen Gneis-Blockfeld auf knapp 800m Breite und ca. 300m Tiefe und deren Problemen konfrontiert… Dies könnte der Prolog eines Hollywood-Blockbusters sein, ist aber eine atmosphärische Beschreibung der Bächli Bergsport Ausbildung „Bouldern und Slacklinen“ im Bouldergebiet „Magic Wood“ im Averstal. Es umfasst ca. 400 Boulder mit Schwierigkeitsgraden zwischen fb6c und fb8b und eignet sich super für die wärmeren Jahreszeiten. Wenn es bereits in Cresciano und Chironico zu warm ist, bleibt es hier durch den dichten Wald auch im Sommer schön kühl. Die mystische Atmosphäre in diesem Gebiet ist absolut einzigartig und die Möglichkeiten für Boulderer, die den 7ten Grad beherrschen, sind gigantisch.
Drei Tage lang hatten unsere Mitarbeiter die Möglichkeit zur Problembewältigung, was sich als recht anspruchsvoll herausstellte. Überwiegend athletisches Bouldern an teilweise sehr hohen Blöcken erfordert Kraft und eine gute Psyche. Das Absprunggelände ist grösstenteils sehr verblockt, weshalb es vorteilhaft war, für jeden Teilnehmer ein Crashpad dabei zu haben. Hier zeigte sich beim Vergleich der verschiedenen Pads, dass es für einmal doch auf die Grösse ankommt. Am meisten Sicherheit vermittelte das mit Abstand grösste Black Diamond Mondo Crashpad. Die Kletterei ist gesteinstypisch überwiegend an Leisten, Slopern und Zangen. Ein Kletterschuh-Vergleich zeigte, dass sich für ambitionierte Boulderer die Investition in einen speziellen Schuh lohnt. Die sehr unterschiedlichen Temperaturen im Magic Wood brachten auch einige Anforderungen an die Bekleidung zu Tage. Am besten funktionierten robuste, elastische Funktionstextilien, welche jede Bewegung mitmachen und in den Pausen den Körper nicht auskühlen.
Weiterer Ausbildungsschwerpunkt war das Slacklinen. Es wurden verschiedenste Systeme der führenden Hersteller zwischen den Bäumen verzurrt und getestet. Selbst Neulinge auf diesem Gebiet hatten recht schnell den Dreh heraus und konnten Unterschiede zwischen den verschiedenen Bandmaterialien ausmachen. Ob man eher der Typ für ein etwas strafferes oder dynamischeres Band ist, was nichts mit dem Schwierigkeitsgrad zu tun hat, muss jeder selber austesten. Grosses Finale war die Überquerung der Avers-Schlucht in ca.10 Metern Höhe auf einer Highline. Übernachtet wurde standesgemäss in Zelten auf dem kleinen Campingplatz Bodhi, welcher direkt am Magic Wood angrenzt. Dort wurde das neueste Equipment für gelungene Outdoor-Nächte, auf Herz und Nieren überprüft. Schon erstaunlich, wie komfortabel man mit modernen Isomatten, Schlafsäcken, Kochern und Zelten heutzutage unterwegs ist.
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