Dem kühlen Sommer ein Schmäppchen schlagend, trafen sich acht Bächlianer in "Biasca", Tessin, der Sonne etwas näher zu sein. Es sollte uns eine etwas ganz andere Art der Bergbegehung näher bringen.
Geht es doch bei allem Bergsport mehr um's "Hoch", stellt sich das CANNYONING eher dem Problem "Hinunter".
Die wenigsten von uns hatten wirklich eine Ahnung, um was es dabei geht. Die leicht verwaschene Vorstellung war, dass wir irgendwie in Wasserfällen abseilen und mehr als 10m von rutschigen Felsen springen werden.
Unter Anleitung der beiden "Haudegen" und Autoren des aktuellen Schweizer Canyoningführer, Andreas Brunner und Franz Baumgartner, kleideten wir uns in erster Begegnung in mehrere Lagen Neopren, fassten Helm und Gurt dazu, um dann mit mehreren Seilen beladen, gemütlich einen kleinen Wanderweg bergan zu laufen. Nicht lange und wir standen im eigenen Saft, das kühle Wasser herbei sehnend. Nach gut einer Stunde kamen wir an unserem Einstieg an und fielen erst einmal wie die Lemminge zur Abkühlung erleichtert in den ersten Pool, der sich, ausgewaschen, in einer wundervollen Felsarena auftat. Wir sollten bald merken das es ein Fehler war -kühl würde es noch früh genug werden.
Die beiden Bergführer erklärten uns die Spielregeln und Besonderheiten in diesem "Bergrunter-Sport" und schon ging es los. In türkise, tief blaue und grüne Gumpen springend, abseilend, rutschend und schwimmend ging es nun Kaskadenweise wieder bergab. Ich würde doch im Schwimmbad nicht von einem 5m-Brett springen! War es der Gruppenzwang oder die ganz andere Umgebung, wurde die Frage: "Gumpen oder Abseilen?" meist mit "Gumpen!" beantwortet.
Im schäumenden, dritten Pool lief langsam auch mein Neoprenanzug voll Wasser. Von da ab zitterte ich wie Espenlaub.
Zittert mein Nachbar nicht vielleicht ebenso? Oder warum liegt er in den kurzen Pausen flächig auf den warmen Steinen in der Sonne und umarmt diesen liebevoll?
Abhilfe schafft da ein Langarmshirt und ein Fleecepulli unter allem Neopren anzuziehen, war der Tip für den kommenden Tag.
Nach bestandener Canyonigtaufe scharrten wir uns Abends auf dem Campingplatz um den Grill, das Wohlverdiente zu genießen und von der Wärme möglichst viel in uns auf zu nehmen.
Anderen Tags sollte die Schlucht etwas länger, tiefer und dunkler sein, eben ein tief eingeschnittener Canyon voller Action. Insidern wird "Val d Iragna" ein Begriff sein.
Nun etwas schlauer legten wir im Zustieg nicht alle Kleidung an, war doch der Weg hinauf, durch einen alten Kastanienwald, etwas länger.
Eine Smaragdeidechse am Wegesrand beobachtete unsere Gummi-Karawane etwas befremdlich.
Bei einem kurzen Picknick bekamen wir noch letzte Instruktionen für die Tour und packten uns warm ein. Für mehr als 5 Stunden wollte keiner frieren.
Wir alle hatten die Spielregeln des Sportes verstanden und konnten nun unsere Fähigkeiten aus dem Klettern gut mit einbringen. An jeder Station "Abseilen", "Gumpen" oder "Rutschen" stand nun einer aus unseren Reihen und gab die notwendigen Anweisungen und Besonderheiten an die anderen Teammitglieder weiter. Wir kamen gut voran und halfen einander. Ja wir wurden ein richtig gutes Team, das viel Spass hatte gemeinsam alle Stationen zu bewältigen.
Immer wieder waren wir starr vor Staunen, ob der einzigartigen Umgebung in der wir uns bewegten. Wir folgten dem Lauf des Wasser's, was eine einzigartige, mitunter bizarre, Landschaft in Jahrtausenden in den Fels gewaschen hatte. Grotten, tief eingeschnitten Schläuche und sonnige Teiche mit Kiesbänken wechselten mit Badewannen voll schäumenden Wasser in allen Farben der Welt. Es waren unvergessliche Eindrücke, die ein jeder von uns mit Nachhause nehmen konnte.
Unser Kurs wurde am dritten Tag abgerundet von unseren beiden Experten, die uns eine Einführung in den Seilbahnbau gaben. Grundlagen und spezielle physikalische Besonderheiten loteten wir gemeinsam aus und setzten sie in die Tat um. Erstaunlich wie wenig es braucht um hier etwas Brauchbares über einen Bach zu spannen.
Zu schnell war die gemeinsame Zeit vorüber. Hatten wir uns doch gerade erst kennen gelernt.....
Aber den einen oder anderen werde ich ja ganz sicher in den Bergen wieder sehen und/oder auch in einer der nächsten Ausbildungen, auf die ich mich schon jetzt sehr freue!