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Das Rettungswesen ist wie eine Waage

THOMAS EBERT, 20.11.2017

Herr Amacher, wie war der Sommer in der Eigernordwand?
Den ganzen Sommer war es zu warm, es wird ja fast nicht mehr null Grad kalt. Die Wand war komplett aper, schwarz. Es gab einzelne Begehungen, vor allem von guten Kletterern. Den weniger guten hat man abgeraten. Und wenn sie trotzdem gegangen sind, sind sie meist am nächsten Tag zurückgekehrt. Oder sie haben sich durchs Stollenloch in Sicherheit gebracht – wir hatten noch keinen Todesfall dieses Jahr, das ist schon speziell.

Standfest: «Man muss auch Nein sagen können», sagt Kurt Amacher über die Pflichten eines Rettungsleiters. Nämlich dann, wenn es für die Retter zu gefährlich wird.

Was unterscheidet den guten vom schlechten Eigernordwand- Aspiranten?
Wichtig ist nicht nur das Technische, man muss auch körperlich fit sein. Es sind ja doch immerhin 1800 Höhenmeter. Aber es gibt hier fast Kurt Amacher war 18 Jahre lang Leiter der Bergrettung Grindelwald und kennt jeden Meter der Eigernordwand – obwohl er sie selbst nie durchstiegen hat. Im Interview auf dem Männlichen erzählt Amacher vom Gefühl an der Longline, von Käsepaketen und von Einsätzen, die er nie vergessen wird. keine schlechten Alpinisten mehr. Die Wand wird heute oft in einem Tag gemacht. Das finde ich fast schade, denn in der Eigernordwand gehört ein Biwak dazu, und das ist im Götterquergang. Aber heute geht es natürlich um Speed.

Aber Geschwindigkeit ist doch auch Sicherheit?
Das schon. Ueli Steck, der ja leider umgekommen ist, habe ich zwei Wochen nach seinem Rekord am Eiger getroffen. Damals habe ich ihm gesagt, dass ich vor seiner Leistung den Hut ziehe, er für uns aber leider nichts Gutes getan hat. Denn zwei Tage später stand in der Zeitung: Eigernordwand, 2 Stunden 28 Minuten. Und drei Tage später hatten wir 18 Seilschaften in der Wand. Das gab es noch nie. Gott sei dank ist nichts passiert.

Als ein Michel Darbellay 1963 allein durch die Wand ist, gab es da keine Nachahmer?
Ich habe Michel selbst gut gekannt. Damals hat niemand gesagt: Wenn der Michel das kann, dann kann ich das auch. Wir Grindelwalder gingen bis 1976/77 überhaupt nie in diese Wand. Keiner. Es hiess immer: Da geht man nicht rein. Wenn etwas passiert, müssten uns ja unsere Kameraden retten. Erst um 1977/78 sind die Ersten gegangen. Und heute geht praktisch jeder Bergführer durch.

Sie sind sie aber nie gegangen?
Nein, ich wollte 1978 mit einem Kollegen gehen. Dann hat aber irgendetwas im letzten Moment nicht ganz gepasst. Wir haben verschoben, nochmals verschoben, und dabei ist es geblieben. Aber ich darf sagen: Es gibt keinen Ort auf der Normalroute der Eigernordwand, wo ich nicht gewesen bin. Es war nicht immer ganz schön, wenn ich dort war. Aber das Rettungswesen ist wie eine Waage: Es gibt die schweren Sachen, und es gibt die schönen Sachen. Und solange es sich die Waage hält, ist Bergretter ein schöner Beruf.

«Im Einsatz hast du einen Tunnelblick. Man will ja helfen, retten. Da sieht man die Gefahren nicht mehr.»

Was sind die schönen Sachen?
Natürlich die, wenn man Leute gesund aus der Wand herausholt. Bei unserer allerersten Longline- Rettung haben wir zwei Holländer da drüben aus dem Genferpfeiler geholt. Einer war schwer verletzt am Fuss. Wir haben uns mit der Jelk-Stange in die Wand gezogen. Als alle unten waren, hat das Wetter richtig losgeschlagen. Hagel, Sturm, ganz schlimm. Aber die beiden waren im Spital. Am nächsten Tag stand ein älteres Ehepaar aus Holland vor meiner Tür. Die hatten sich erkundigt und rausgefunden, dass total sieben Personen am Einsatz beteiligt gewesen waren. Sie hatten sieben gleich grosse Pakete dabei. Ein Jahr später ist auch der Bursche selbst kerngesund bei mir zu Hause gestanden, hat sich bedankt und gefreut, dass er wieder in die Berge gehen kann.

Was war in den Paketen?
Zu Essen sicherlich! Käse? Ich weiss es nicht mehr. Was ich sagen wollte: Im Gegensatz zu den Holländern hört man von vielen eigentlich gar nichts.

Warum ist das so? Aus Scham?
Ich weiss es nicht. Wir haben einmal eine Engländerin am unteren Eigerjoch aus einer Klemmspalte gerettet. Sie war unangeseilt und ohne Gurt. Ich habe ihren Arm angefasst, der war eiseskalt. Ihren starren Blick habe ich lange nicht vergessen können. Ich wusste, da sind wir zu spät. Ihre Temperatur war 20,5 Grad. Wir haben eine Stunde reanimiert, bis in Bern im Spital ein Platz war. Später hat mich der Arzt vom Inselspital angerufen und gesagt, dass sie die Frau auf 32 Grad hätten. Ich stand immer in Kontakt mit ihm, und tatsächlich war nach sechs Monaten wieder alles gut. Aber von dieser Frau habe ich nie ein Wort gehört. Das tut ein bisschen weh.

Wie viel von all den Einsätzen wird man wieder los?
Normale Rettungen konnte ich in der Regel schnell wegstecken. Aber wenn Kinder beteiligt sind, das ist furchtbar. Es passieren ja auch Dinge auf einer Alp, Unfälle in der Gletscherschlucht oder Lawinen. Wir sind nicht nur am Eiger.

Welche Charaktereigenschaften muss man als Bergretter haben?
Manchmal hätte man gerne den Mumm, die Leute zu fragen, was mit ihnen eigentlich falsch ist. Aber das muss man wegstecken. Es ist nicht unsere Aufgabe, ihnen zu sagen, dass sie am falschen Ort sind und mit ihrem Tun die Retter in Gefahr gebracht haben. Man braucht einen guten Hintergrund. Jemanden, der dir hilft, wenn es schwierig wird. Meine Tochter ist Psychologin, die kann ich um Rat fragen.

«Wir Grindelwalder gingen bis 1977 überhaupt nie in diese Wand. Es hiess immer: Da geht man nicht rein.»

Sie waren viele Jahre Leiter der Grindelwalder Bergrettung. Welche Verantwortung trägt man für seine Kollegen?
Es ist enorm wichtig, auf seine Kameraden zu schauen. Im Einsatz hast du einen Tunnelblick. Man will ja helfen, retten. Da sieht man die Gefahren nicht mehr. Das ist die grosse Aufgabe für den Chef: alles versuchen, aber zuerst für die eigene Sicherheit sorgen. Ich möchte nicht zu einem nach Hause gehen und sagen müssen, der Fritz kommt nicht mehr. Oft helfen schon Kleinigkeiten. Einen erschöpften, aber unverletzten Kletterer habe ich einmal gebeten, vom Dritten Eisfeld wieder hundert Meter zurück zum Bügeleisen zu gehen. Da brauchen wir nicht 200 Meter Longline, da reichen schon 30 oder 35 Meter. Für einen Piloten sind das Welten. Der sieht dich ja nur als Punkt, und du musst ihn dirigieren. Noch ein Meter links oder 50 Zentimeter nach vorne.

Was hat sich seit Ihren Anfängen bei der Bergrettung geändert?
Bei meinen ersten Einsätzen hat man noch sehr viel von Hand gemacht. Vom Gipfel aus die Retter an Stahlseilen ablassen, so habe ich es gelernt. Ich habe dann mitgeholfen, die Hubschrauberrettung mit dem langen Seil zu entwickeln und war selbst in über 100 Einsätzen an der Longline unten am Haken.

Wie fühlt es sich an, wenn man plötzlich in der Wand steht – abgeschnitten?
Das ist komisch. Wenn das Wetter mal kritisch wurde, habe ich schon mal gefunkt: Du, setz‘ mich ab, aber ich hänge mich nicht aus. Ich möchte schon wieder wegkommen.

Ist in solchen Situationen Platz für den Gedanken, vielleicht nicht mehr zurückzukehren?
Daran denkt man nicht. Aber es ist schon speziell. Du bekommst die Meldung, musst binnen zehn, zwölf Minuten parat sein, und dann fliegst du hoch. Diese Minuten sind wie ein Film. Was erwartet mich? Einmal lautete die Meldung: Ein Basejumper ist vom Pilz gesprungen, hat den Fels touchiert und ist neben dem Stollenloch auf einem Felsband aufgeschlagen. Ich dachte: Um Himmels willen, was treffe ich da an. Beim Anflug habe ich im Schnee einen Punkt gesehen, aber keinen Schirm. Der Hubschrauber setzt mich ab, und als ich näher komme, sehe ich den Basejumper, bis zur Brust im Schnee. Der Kopf hat rausgeschaut. Ich komme zu ihm, er hebt die Hand und sagt: «Servus!» Unglaublich. Den Schirm hatte er schon wieder eingepackt. Beim Wegfliegen hat er zu mir noch gesagt: Kannst du mich noch auf den Pilz hochfliegen? Aber das ging natürlich nicht (lacht).

Amachers Meinung zum Antlitz der Nordwand: «Mit dem Neuschnee ist es wieder der Eiger. Vorher war sie komplett schwarz, sehr unschön.» Unvermeidlich: Mit jedem Blick in die Wand scannt Amacher auch die gängigen Routen ab. «Ich bin beruhigt, heute ist niemand drin.»

Werden die grossen Tragödien weniger?
Toni Kurz im Jahr 1936, das berühmte Corti-Drama von 1957 – aber in letzter Zeit? Früher gab es die Hubschrauber nicht. Mit Beginn der Flugrettung sind die schweren Dramen deutlich zurückgegangen. Ich erinnere mich an das Corti-Drama, da war ich ein kleiner Bub. Ich habe unten vom Tal mit einem Feldstecher alles verfolgt.

War das ausschlaggebend für die Berufswahl?
Nicht nur, aber auch. Zuerst habe ich Spengler gelernt, bin aber immer mehr in die Berge gegangen. Tragischerweise habe ich dann meinen Bruder an der Jungfrau verloren. Da habe ich entschieden: Ich möchte auch mithelfen, wenn so etwas passiert.

Braucht es einen solchen Impuls von aussen?
Das kann gut sein, ja. Oder ein Umfeld, das dich anleitet. Man wächst mit den Aufgaben. Aber einen Anstoss braucht es.

Spielt Ruhm eine Rolle?
Naja, nein. Es gibt vielleicht solche. Aber ich gehöre nicht dazu. Es motiviert mich, wenn man etwas richtig gemacht hat. Und umgekehrt hadert man, wenn etwas nicht gelingt.

Was sehen Sie, wenn Sie heute in die Wand schauen? Nach all den Erlebnissen?
Ich sehe einen Strich, die Heckmair- Route, den könnte ich dir genau nachfahren. Man geht die Linien durch und erinnert sich, hier war das, dort war jenes. Das ist wie ein Film. Aber mit Abstand.

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