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Das totale Glück gibt's nur bei minimalem Einsatz

NATASCHA KNECHT, 07.09.2017

Thomas Senf gehört weltweit zu den wenigen Alpin-Fotografen, die Extrembergsteiger bei Erstbesteigungen bis auf den Gipfel begleiten können. Im Interview sagt er, wann die stärksten Bilder entstehen, was er von Hochrisiko-Touren hält und wo er die Grenzen zieht.

Bei einem Speed-Solo-Rekord werden die Bilder meistens nachgestellt: Hier fotografiert Thomas Senf (l.) Dani Arnold in der Matterhorn-Nordwand. Der Urner Extremalpinist durchstieg sie vorher in 1 Stunde 46 Minuten(April 2015).

Thomas Senf, wie gut müssen Sie als Fotograf und Filmer klettern können, um die besten Bergsteiger der Welt zu begleiten?
Schon bevor meine Fotografenkarriere startete, kletterte ich mit den Profis. Auf den Expeditionen war ich dann oft der Einzige, der brauchbare Bilder machte. Mittlerweile ist das Fotografieren mein Beruf geworden. Ich gehe aber immer noch als Teil des Kletterteams mit und steige auch mal eine Seillänge voraus, um von oben fotografieren zu können. Es kommt vor, dass ich bei einer Erstbegehung als Erster auf dem Gipfel stehe.

Sie klettern auf Augenhöhe mit den Profis und schleppen zusätzlich die schweren Foto- und Filmkameras mit?
Stimmt, mein Rucksack ist selten der leichteste von allen. Wir versuchen zwar, das Gewicht der gesamten Expeditionsausrüstung im Team aufzuteilen. Aber grundsätzlich ist der Fotografenjob schon eine Plackerei. Ich bin mehr Packesel als Speedalpinist.

Für die Profi-Alpinisten sind gute Bilder wichtig, um ihre Touren vermarkten können. Gibt es so etwas wie ein Drehbuch, bevor Sie aufbrechen?
Das ist unterschiedlich. Als ich zum Beispiel mit Stephan Siegrist in den Kaschmir-Himalaja ging, wussten wir im Voraus nicht mal, welchen Berg wir besteigen werden. Da hielt ich spontan fest, was mir relevant schien. Bei einer solchen Expedition versuche ich, mit den Bildern eine runde Geschichte erzählen zu können – so, wie ich sie erlebt habe, und so, dass sie für Aussenstehende nachvollziehbar ist und fesselt.

Wann sind Ziel und Erwartungen vordefiniert?
Seit vielen Jahren fotografiere ich etwa den russischen Profi-Basejumper Valery Rozov, wenn er als erster Mensch mit dem Flügelanzug von einem Berg springt. Als er 2013 vom Mount Everest segelte, war es meine Aufgabe, dieses eine Bild vom Absprung zu erwischen. Dazu hatte ich genau eine Sekunde Zeit, denn ein Basejump geht extrem schnell. Für mich zählte während der ganzen Expedition diese eine Sekunde. Dafür war ich sechs Wochen unterwegs und stieg auf 7220 Meter.

Haben Sie bei solchen Hochrisiko- Aktionen nie Angst, «das letzte Bild» eines Athleten zu machen?
Wenn Valery Rozov einen neuen Rekordsprung plant, oder Dani Arnold ein Speed-Solo, setze ich mich vorher intensiv damit auseinander, ob ich dabei sein will. Entscheidend ist für mich, dass der Athlet die Aktion gut geplant hat, dass ich seine Fähigkeiten einschätzen und ihm vertrauen kann, dass er die Aktion bei schlechten Gefühlen oder Bedingungen abbricht. Bei Dani oder Valery ist dieses Vertrauen da. Wenn ich dann mit ihnen unterwegs bin, geht es mir nur noch ums Bild. Ich stelle alle Emotionen ab, verstecke mich vielleicht auch ein bisschen hinter der Kamera.

Im besten Licht: Die Neuseeländerin Mayan Smith-Gobat klettert diese Schlüsselseillänge in «Riders on the Storm» als erster Mensch frei. Damit Thomas Senf sie in der ersten Morgensonne fotografieren kann, verlassen sie das Biwak in völliger Dunkelheit. Torre Central, Patagonien (Februar 2016).

In welchen Situationen wird abgebrochen?
Mit Valery harrte ich am Uschba in Georgien eine Woche auf 4000 Meter aus bis das Wetter besser wurde und der Cognac aufgebraucht war. Oder diesen Frühling mit Dani in Kanada – er brach das Projekt ab, weil das Risiko zu hoch war.

Bleiben wir beim Risiko: Wie wichtig ist es fürs Bild?
Es spiegelt sich nicht zwingend im Bild. Ausserdem lassen sich nicht diese Bilder am besten vermarkten, bei denen ein Bergsteiger am meisten Risiko einging. Der Einsatz wird in den seltensten Fällen honoriert – das musste ich auch erst lernen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Mit Ines Papert war ich in Kirgistan. Wir wollten die Erstbesteigung der Süd-Ost-Wand am 5842 Meter hohen Mount Kyzyl Asker im Alpinstil realisieren. Vier Wochen quälten wir uns bei minus 20 Grad. Letztlich scheiterte die Expedition an den äusseren Bedingungen. 200 Meter unter dem Gipfel kehrten wir um. Das Leiden, das hinter diesen Bildern steckt, interessierte niemanden. Kein Magazin wollte sie kaufen.

Nach einer Tour in Nepal hatten Sie sogar ernsthafte Erfrierungen an den Zehen.
Ja. Wir waren in einem Stil unterwegs, den ich «One-Way» nenne: Es gab keine Rückzugsmöglichkeit. Es war ein Schlüsselmoment in meinem Leben. Ich bin glimpflich davongekommen, musste mir aber überlegen, wie viel Risiko ich künftig noch eingehen will. Mit der Erkenntnis: One-Way-Besteigungen sind nichts für mich. Dazu bin ich nicht mehr bereit.

Vor sechs Monaten ist Ihr Sohn Ben auf die Welt gekommen. Hat die Vaterschaft Ihre Risikobereitschaft verändert?
Interessanterweise nicht. Aber ich bin heute ohnehin anders unterwegs als vor zehn Jahren. Ich machte meine Erfahrungen und hatte mehrmals Glück. Aus Fehlern wird man klug, darum ist einer nicht genug.

Ihre Risikobereitschaft ist dennoch grösser als «normal».
Ich weiss nicht, was normal ist. Aber ich will nichts schönreden. Bergsteigen ist grundsätzlich gefährlich und Extrembergsteigen noch ein Zacken mehr.

Wann entstehen die stärksten Bilder?
Sobald es am Berg nicht mehr lustig ist. Wenn schlechtes Wetter herrscht und man sich am liebsten nur noch in Daune verkriechen möchte.

Warum?
Weil es solche Bilder am seltensten gibt, und wir uns alle für solche Aufnahmen überwinden müssen. Ich weiss, dass meine Finger vor Kälte schmerzen, sobald ich die Kamera hervorhole. Die Jungs und Mädels achten nicht mehr darauf, vorteilhaft für die Kamera zu posieren. Sie wollen nur noch heil aus diesem Wetter rauskommen. Für mich sind solche Bilder der Inbegriff von Authentizität.

Eisklettern illuminieren: Die Verwirklichung seiner Idee dauert drei Jahre. «Das Ergebnis in einer Grotte in Norwegen übertraf meine kühnsten Erwartungen», sagt Thomas Senf (März 2013).

Wann ist ein Bild perfekt?
Wenn es eben authentisch ist und die Kraft und Faszination der Berge zeigt. Wenn der Betrachter sieht, wie klein der Mensch im Gebirge doch ist. Für mich steht immer die Natur im Vordergrund. Ich gebe den Bergen Priorität und versuche, den Menschen darin zu platzieren.

Um die Gefahr möglichst bildhaft zu inszenieren?
Als Fotograf möchte ich vor allem Geschichten erzählen. Und auf einem Bild ist eine Geschichte nur nachvollziehbar, wenn der Betrachter die Emotionen fühlen kann. Dieses Wechselspiel zwischen Gefahr, Leiden, Kälte und Schönheit, Freude, Zufriedenheit. Das totale Glück gibt’s nur bei maximalem Einsatz.

Können Sie als Fotograf und Filmer die Kletterei überhaupt geniessen?
Mit der Professionalisierung geht die Unbeschwertheit verloren, was ich schade finde. In meinem Kopf dreht sich während einer Expedition alles darum, wo ich die besten Positionen finde, welche Bilder es noch geben muss. Sowohl am Berg wie an den Ruhetagen im Lager. Ich kann nie herumsitzen. Am extremsten zeigt sich das auf dem Gipfel. Wenn die anderen erleichtert das Ziel erreichen, kann ich den freudigen Moment nicht geniessen. Ich muss sogleich wieder schauen, von wo ich das schönste Gipfelbild und die Emotionen in den Kasten bekomme. Das ist Teil des Jobs. Für mich übrigens ein Traumjob.

Sie stammen ursprünglich aus Leipzig in Ostdeutschland. Wo haben Sie klettern gelernt?
Im Elbsandstein. Er ist psychisch eines der anspruchsvollsten Klettergebiete der Welt, weil es extrem wenige Bohrhaken hat. Da lernte ich, mit der Angst umzugehen und mich selber wahnsinnig gut einzuschätzen. Ich stand so oft höchst verzweifelt zehn Meter über dem letzten Sicherungspunkt und musste mich selber aus dieser Situation herausbringen. Wenn man im Elbsandstein klettern lernt, kann man überall auf der Welt klettern und findet selbst die wildesten Routen «plaisir».

Trotzdem zogen Sie in die Schweiz, wo die Routen meist bestens gesichert sind. Was brachte Sie hierher?
Die grossen Berge. Während des Studiums suchte ich eine Praktikumsstelle im Alpenraum. So kam ich zu Mammut nach Seon. Es war Zufall.

Nun leben Sie seit 15 Jahren im Berner Oberland. Warum gerade da?
Letztlich wegen Stephan Siegrist. Er vermittelte mir damals eine Saison stelle als Skilehrer in Gstaad. In dieser Zeit begann ich die Ausbildung zum Bergführer, was schon zu Teenagerzeiten mein grosser Traum, aber für mich als Leipziger Lichtjahre entfernt schien.

Jetzt arbeiten Sie aber nicht mehr als Bergführer.
Wie sich vieles in meinem Leben durch Zufall ergab, startete auch meine Fotografenkarriere zufällig. Irgendwann musste ich mich zwischen den beiden Berufen entscheiden.

Nochmals zurück zur DDR: Als die Mauer fiel, waren Sie 9-jährig. Welche Erinnerungen haben Sie?
Für mich war es das Grösste, wenn mir meine Tante aus dem Westen zum Geburtstag eine Büchse Ananas schickte, das gab's bei uns nicht. Lange schämte ich mich dafür, in der DDR aufgewachsen zu sein. Heute bin ich eher stolz. Diese Zeit hat mich stark geprägt. Wäre die Mauer nicht gefallen, was wäre mit mir geschehen? Ich kann mir vorstellen, dass ich an der Mauer erschossen worden wäre, weil ich versucht hätte, zu fliehen.

Hat Ihr Freiheitsdrang mit der Mauer zu tun?
Als die Mauer noch da war, war ich ein Kind, sie hat mich damals nicht eingeengt. Meinen Freiheitsdrang habe ich unabhängig davon. Aber durch meine Vergangenheit bin ich vielleicht etwas radikaler, wenn es darum geht, mir die Freiheit zu suchen.

Dennoch entschieden Sie sich, ein Haus zu kaufen und eine Familie zu gründen.
Für Sachen, die mir wichtig sind – wie die Familie –, bin ich bereit, meine Freiheit ein Stück weit aufzugeben. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich einen konventionellen Lebensstil führe.

Ihre Lebenspartnerin Rahel ist auch Bergsteigerin. Ist das für Sie wichtig?
Ja. Meine vorherige, langjährige Beziehung scheiterte genau daran, dass meine Partnerin ein klassisches Leben führen wollte – und ich das weder konnte noch wollte.

Ihr Sohn Ben musste schon mit zwei Monaten zum Bouldern in Frankreich mit ...
Bis jetzt funktioniert mein Familienleben, wie ich mir das vorstelle. Ben verbringt viele Stunde in der Hängematte am untersten Bohrhaken. Wegen meiner neuen Familiensituation unternehme ich dieses Jahr auch keine Expedition. Ich will Zeit mit meinem Sohn verbringen und ihn aufwachsen sehen. Das ist mir mehr wert als alles.

VERTIKAL FOTOGRAF
Thomas Senf – 1981 in Leipzig geboren – lebt seit 2002 im Berner Oberland und spricht nahezu akzentfrei Schweizerdeutsch. Schon während seines Studiums zum Maschinenbauingenieur zog es ihn in die hohen Wände dieser Welt. Ihm gelangen mehrere Erstbesteigungen und Erstbegehungen in den Alpen, in Asien und in Patagonien. Er ist diplomierter Bergführer und arbeitet seit zehn Jahren hauptberuflich als Fotograf und Dokumentarfilmer der Profi-Alpinisten. Sie schätzen ihn nicht nur wegen seiner Bilder und als Kletterer, sondern auch wegen seiner umsichtigen, humorvollen Art. Sein neuester Film «Tupendeo» wird derzeit an verschiedenen internationalen Bergfilmfestivals gezeigt.

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