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Tags: Wissen, Camping, Expedition

Schlafsäcke

Andrea Brändli, 19.04.2017

Was gibt es schöneres, als von einer anstrengenden Bergtour zurück zu kommen, sich müde und erschöpft in seinen Schlafsack zu kuscheln, das Erlebte nochmals Revue passieren zu lassen und dann entspannt einzuschlafen? Niemand wacht gerne in der Nacht frierend oder verschwitzt auf, aus diesem Grund ist auch die Wärmeleistung eines Schlafsackes einer der wichtigsten Kriterien beim Kauf. Es ist somit sinnvoll, sich zuvor über die verschiedenen Modelle und Füllungen zu erkundigen und fachkundig beraten zu lassen.

EINSATZBEREICHE

KAT. EINSATZBEREICH
5 Expeditionsschlafsack für kälteste Regionen bis max. -40°C
4 Winterschlafsack für Hochgebirge und Expeditionen bis max. -25°C
3 Ganzjahresschlafsack für Trekking, 3-Saison-Schlafsack fürs Hochgebirge bis max. -10°C
2 Leichtschlafsack für Trekking von Frühling bis Herbst und für Sommeralpinismus bis max. -5°C
1 Ultraleichtschlafsack mit geringem Packmass bis max. +5°C

PFLEGE
Die Füllungen, egal ob Daune oder Kunstfaser, leiden unter jedem Waschgang. Mit jeder Wäsche verlieren die Daunen einen Teil des natürlichen Fettgehaltes, was dazu führt, dass sie spröde werden, brechen und ihre Bauschfähigkeit und das Isolationsvermögen verlieren. Kunstfasern haben eine raue Oberfläche, und damit sie sich nicht ineinander verhaken, werden die Fasern silikonisiert. Jede Wäsche strapaziert die Silikonschicht und verringert langfristig die Bauschfähigkeit des Faservlieses. Daher: Schlafsäcke an der Luft auslüften und einzelne Flecken im Aussenmaterial grundsätzlich mit klarem Wasser ausreiben. Komplettwaschen - soweit möglich - vermeiden!

TEMPERATURBEREICHE
Jeder Mensch empfindet Temperatur anders, das sollte beim Verkauf immer berücksichtigt werden. Wichtig ist in erster Linie das Geschlecht. Frauen haben ein ganz anderes Wärmebedürfnis als Männer und brauchen in der Regel einen wärmeren Schlafsack. Ebenso entscheidend ist, ob man abends ausgeruht oder erschöpft zu Bett geht, wie viel man gegessen hat, ob man Alkohol getrunken hat, oder wie viel man sich im Schlaf bewegt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Lage des Camps (Windexposition, Höhe, Luftfeuchtigkeit etc.), sowie die Isolierleistung der Schlafmatte.

EUROPÄISCHE NORM EN 13537
Seit 2005 gilt die Europäische Norm EN 13537 für die Kennzeichnung von Schlafsäcken, die auch vorgibt, wie Schlafsäcke getestet und bewertet werden müssen. EN 13537 wird auf alle Schlafsäcke ausser auf Militärschlafsäcke und Modelle für Extremtemperaturen (z.B. mit Komforttemperatur unter -25° C) angewendet.
Bei extrem kalten Temperaturen sind die verwendete Kleidung und die Schlafmatte anders als in der EN 13537 festgelegt (beispielsweise Daunenanzüge im Schlafsack oder militärische Kleidung). Schweiss und Atmung sind ein weiterer wichtiger Grund dafür, da die Feuchtigkeit durch Atmung und Schwitzen die Wirksamkeit der Isolation reduziert. Die EN-Methodologie definiert Temperaturbereiche, auf die man sich verlassen kann und durch die ein direkter Vergleich mit den EN-Bewertungen anderer Marken möglich wird.
Für Temperaturtests nach EN 13537 wird eine lebensgrosse Puppe (basierend auf dem „Norm-Mann“ und der „Norm-Frau“ mittleren Alters, mittlerer Grösse und mittleren Gewichts) mit Heizelementen und Temperatursensoren sowie mit langer Unterwäsche und einer Mütze ausgestattet. Dann kommt die Puppe in den Schlafsack. Dieser liegt auf einer Isomatte in einem klimakontrollierten Raum. Die Puppe wird bis auf menschliche Körpertemperatur aufgewärmt. Sowohl die Temperatur der Luft in der Klimakammer als auch die auf der „Haut“ der Puppe werden gemessen. Anhand dieser Messungen wird die Wärmeisolation des Schlafsacks bestimmt. Die Ergebnisse sind ausschlaggebend für vier EN-Temperaturbereiche:

Nur ein Schlafsack, der 100 % mit den Vorgaben der EN 13537 übereinstimmt, darf das CE-Zeichen auf dem Produkt oder dem Hangtag tragen.

Obergrenze (rot, +25° Grad): Eine Temperatur, bei der der Norm-Mann ohne übermässiges Schwitzen schlafen kann. Dieser Bereich wird ohne Schlafsack-Kapuze und bei geöffnetem Reissverschluss ermittelt.

Komfort (rot/gelb, +2° Grad): Die Norm-Frau kann in einer entspannten Position bequem schlafen.

Limit (gelb/blau, -5° Grad): Der Norm-Mann kann acht Stunden lang in einer eingerollten Position schlafen ohne wegen der Kälte aufzuwachen und zu frieren.

Extreme (blau, -13° Grad): Überlebensbereich, die Minimaltemperatur, bei der die Norm-Frau sechs Stunden ohne das Risiko des Todes durch Unterkühlung (wobei Erfrierungen an der Haut nicht ausgeschlossen werden) aushalten kann.

TYPOLOGIE
Schlafsäcke werden in Daunen- und Synthetikmodelle aufgeteilt.
Hochwertige Daune isoliert bei gleichem Füllgewicht wesentlich besser als synthetische Füllmaterialien, da die feinen Daunen warme Luft besser einschliessen als jede Synthetikfaser. Zudem sind Daunenschlafsäcke leichter und kleiner komprimierbar, aber auch teurer als vergleichbare Synthetikschlafsäcke. Daunenschlafsäcke eignen sich besonders für Einsätze in den Bergen und in unseren Breitengraden.
Synthetikschlafsäcke eignen sich besonders für Gebiete mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. In nassem Zustand behalten die Synthetikfasern ihre Isolierfähigkeit besser als Daune. Die neuen hochwertigen Synthetikfasern wurden speziell auf bessere Komprimierbarkeit weiterentwickelt, kommen diesbezüglich aber noch nicht an unsere hochwertigen Daunenmodelle heran.

KAMMER-SYSTEME
Um die optimale Wärmeleistung zu erreichen, müssen die Daunen in Kammern unterteilt werden. Die verschiedenen Konstruktionen haben die Aufgabe, die Daune optimal zu verteilen und Kältebrücken zu minimieren.

LÄNGSKAMMERN

Längskammern haben senkrecht verlaufende Stege und unterstützen eine schnelle und gleichmässige Wärmeverteilung. Die Kammern verlaufen durchlaufend, sodass die Daunen individuell positioniert werden können indem man den Schlafsack schüttelt.

QUERKAMMERN

Querkammern haben versetzte Nähte. Die Daune wandert in kleinere Kammern, sogenannte Quer- oder Schrägkammern und werden dort stabil positioniert. Dadurch können auch an den Schlafsackseiten Kältebrücken verhindert werden, auch an den Schlafsackseiten, was wiederum ein Maximum an Isolation gewährleistet.

V-KAMMER

Der Aufbau der V-Kammern ist sehr aufwändig und teuer, fixiert jedoch die Füllung sehr gut und ist für extreme Temperaturbereiche geeignet. Am besten haftet die Daune an den geneigten Kammerwänden. Die Querstege sind am Seitensteg angenäht, dieser ist wiederum zwischen Ober- und Unterseite angebracht. Dadurch wird das Verrutschen der Daune verhindert.

TRAPEZKAMMER

Die Trapezkammerkonstruktion vereint die Vorteile von Quer- und V-Kammern, fixiert die Füllung ebenfalls sehr gut und sorgt für eine gleichmässige Daunenverteilung. Am besten haftet die Daune, wie bei der V-Kammer-Konstruktion, an den geneigten Kammerwänden.

FORMEN
MUMIENFORM - Mountain Fit

Mit dieser Form von Schlafsack ist die Isolierung am effizientesten, da aufgrund der enggeschnittenen Passform sehr wenig Wärme verloren geht. Nachteil: Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt. Diese Form bietet sich an, um extrem leichte, klein verpackbare Schlafsäcke für den alpinen Gebrauch herzustellen.

MUMIENFORM - Comfort Fit

Mit der etwas komfortableren Version des Mumienschlafsackes kann man mehr Bewegungsfreiheit geniessen. Nichts desto trotz wird dieser Schlafsack den höchsten Anforderungen gerecht, da er doch wesentlich besser isoliert als ein rechteckiger Schlafsack.

RECHTECKIGE FORM

Diese Form bietet viel Bewegungsfreiheit und ist sehr gemütlich. Viele Schlafsäcke mit dieser Form sind mit einem Rundum-Reissverschluss ausgestatten und können somit auch als Decke verwendet werden. Diese Form von Schlafsack ist bei weitem nicht so thermoeffizient wie Mumienschlafsäcke und kommt vor allem bei nicht so tiefen Temperaturen zum Einsatz.

DAUNENQUALITÄT
Ein guter Daunenschlafsack wird vor allem durch die Qualität der Daunenfüllung bestimmt. Folgende Faktoren sind dafür massgebend: Rohware: Beste Rohdaune stammt von ausgewachsenen und gut gehaltenen Gänsen aus kalten Gegenden. Gerupft wird von Hand am toten Tier. Aufbereitung: Erst durch richtiges Waschen und genaues Sortieren lassen sich gute Füllungen erreichen. Mischverhältnis Daunen zu Federn: Da reine Daune kaum erhältlich ist und ein gewisser Federanteil zur Stützung der Füllung notwendig ist, wird bei Füllungen das Mischverhältnis angegeben. Ein Wert von 90/10 bedeutet, dass sich die Füllung aus 90 Prozent Daunen und 10% Federn zusammensetzt. Da Daunen gegenüber Federn ein besseres Isolationsvermögen und ein geringeres Gewicht aufweisen, bestehen beste Füllungen aus bis zu 96 Prozent Daunen. Werte von 90/10 sind aber immer noch sehr gut.

MESSBARKEIT DER DAUNENQUALITÄT
Wie lässt sich aber die Isolationsleistung einer bestimmten Daunenqualität messen? Je mehr „stille“ Luft von der Füllung gespeichert werden kann, desto besser ist die Isolation. Somit muss eine bestimmte Füllmenge ein möglichst grosses Volumen erreichen, um darin so viel Luft wie möglich zu speichern. Ein guter Schlafsack zeichnet sich also dadurch aus, dass sich seine Füllung nach dem Auspacken aus der Hülle möglichst schnell und möglichst voluminös aufbauschen kann. Diese Ausdehnungskraft nach dem Komprimieren nennt man Fill Power (oder auch Loft, bzw. Bauschkraft) und ist mit einem standardisierten Verfahren messbar: eine Unze (28g) einer Daunenfüllung wird in einen Messzylinder gefüllt und während 24 Std. mit einer 100g schweren Platte belastet. Anschliessend wird die Platte entfernt und gemessen, auf welches Volumen sich die Füllung aufgebauscht hat. Das gemessene Volumen wird in cuin (1 cubic Inch = 16.39 cm3) angegeben. Gute Daune hat einen Wert von über 500 cuin. 700 bis 800 cuin sind Spitzenwerte und können nach dem internationalen Messstandard nicht übertroffen werden.

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