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Tags: Hochtour, Wandern / Trekking, Alpines Klettern, Tourentipp, Klettern

Wilder Berg mit falschem Namen

FLORENTIN VESENBECKH, 07.09.2017

K indergeburtstag oder Liegewiese? So leicht lässt sich die Atmosphäre nicht einordnen. Eine Grossfamilie hat sich auf dem prallgefüllten Parkplatz in Chiareggio häuslich eingerichtet. Vor dem Campingmobil tischt eine füllige Italienerin gerade die Abend-Pasta auf, aus einem Tischradio säuselt Adriano Celentanos «Azzurro». Einige Meter weiter wirft eine Gruppe gröhlender Jungs Steine über den Torrente Mallero, den Fluss, der das hinterste Valmalenco zum grössten und malerischsten Freibad des Bergells macht. So kommt es Bergsteigern zumindest vor, die am langen Wochenende um den italienischen Nationalfeiertag Naturgenuss, Abenteuer und Abgeschiedenheit suchen.

Gipfelglück an der Punta Kennedy, den Piz Bernina zieren Wolkenfetzen.

DIE RUHE AM BERG
Umso zufriedener schlürfen Caro und Hannes am Abend den italienischen Rotwein im urigen Rifugio Porro, denn die Gaststube teilen sie sich mit gerade mal fünf anderen Gästen. Dabei liegt das gemütliche Heim nur eine Stunde und 400 Höhenmeter vom Parkplatz-Trubel entfernt. Die Hoffnungen auf ein alpines Abenteuer abseits der Massen sind zurück und dafür soll der Monte Disgrazia sorgen. Obwohl der Granit-Riese mit 3678 Metern der höchste Gipfel des Bergells ist, tummeln sich Bergsteiger und Kletterer lieber an den Modegipfeln Piz Badile, Cengalo oder der Sciora-Gruppe, wo einige Kletterführen mit Weltruhm warten. Noch deutlich abgeschiedener, wilder, aber auch anspruchsvoller als der Normalweg auf den Monte Disgrazia ist der Anstieg über den Nordostgrat. Die Beschreibung im Alpin-Führer: «Gewaltiger, schöner Nordanstieg zum Monte Disgrazia. Was für eine Tour!» Also los.

BLECHSCHACHTEL MIT PANORAMABLICK
Der nächste Morgen. Um 9.13 Uhr nehmen Caro und Hannes das erste Mal kompakten Granit unter ihre Finger. Nach einer imposanten Gletscherquerung geht es im griffigen Felsgelände hinauf, die Tiefblicke auf den Eisbruch des Ventina-Gletschers zwingen aber immer wieder zum Innehalten. Tagesziel der beiden ist das Bivacco Oggioni, eine Blechschachtel in exklusivster Panoramalage, 3151 Meter über dem Meer. Für normalsterbliche Alpinisten ist eine Übernachtung in dieser Notunterkunft der einzige Weg, den Nordostgrat halbwegs entspannt zu besteigen – vom Rifugio oder aus dem Tal ist es zu weit. Wer dem Erlebnis die volle Würze verleihen will, nimmt im Zustieg zum Bivacco noch die Punta Kennedy mit und reiht somit zwei gewaltige Gratanstiege aneinander. Eine Tour der Extraklasse, die sich Caro und Hannes nicht entgehen lassen wollen.

EINE ABENTEUERLICHE ROUTE
Der Einstieg in dieses Abenteuer ist nicht ganz leicht zu finden. Der schneebedeckte Gletscher schmiegt sich auf der Nordseite an den Grat und zieht sich an verschiedenen Stellen rinnenförmig in Richtung Schneide, als wolle er Bergsteiger zum Eintritt in eine schier unendliche Kletterreise locken. Ein Topo oder detaillierte Beschreibungen zum Ostgrat der Punta Kennedy haben Caro und Hannes im Vorfeld ergebnislos gesucht. Zwei Schlüsselseillängen im vierten Schwierigkeitsgrad – darüber sind sich die einzeilige Anmerkung im Alpinführer und die wenigen Erlebnisberichte im Internet zumindest einig. Der restliche Grat ist Kletterei bis zum oberen dritten Schwierigkeitsgrad und damit wohl nicht näher beschreibenswert. Viele zeitraubende Meter mit unklarer Wegführung und mittelmässigem Fels später taucht unverkennbar die Schlüsselstelle auf. Der Grat verengt sich und steilt auf. Die erste Seillänge ist plattig, die Möglichkeiten, mit mobilen Sicherungsmitteln nachzubessern, kaum vorhanden. Immerhin ragen weiter oben hier und da Schlaghaken aus engen Rissen, die ersten eindeutigen Begehungsspuren der gesamten Tour, ganze vier Stück auf insgesamt 40 Metern. Die schweren Bergstiefel suchen Halt auf flachen Reibungstritten, Hannes wird mal wieder klar, wie unangenehm sich ein alpiner Plattenvierer im kletterschuh-verwöhnten Zeitalter anfühlen kann. Um die Nerven zu beruhigen, legt er eine Bandschlinge über ein angedeutetes Felsköpfchen, dessen Nase sich auf der Platte nur minimal nach oben wölbt. «Versuchen kann man es ja mal», ruft er zu Caro hinab und schiebt sich beherzt auf den nächsten Tritt. Die zweite Schlüssellänge ist deutlich steiler. Im griffigen Fels weicht die Anspannung einem breiten Grinsen – auch, wenn weder Absicherung noch Wegfindung Sportkletter-Gefühle aufkommen lassen. Immerhin nimmt der Fels hier zwischen den Schlaghaken willig Friends und Keile auf. Während die Touren an den beliebtesten Kletterbergen des Bergells meist sanft saniert wurden, finden sich auf dieser Führe bis zum Gipfel keine Bohrhaken, ein dicker Pluspunkt für den Abenteuer- und Einsamkeitsfaktor.

Die Abbrüche in der Nordwand vor Augen: An der «Corda Molla» geht's luftig zu.

EINSAM AM BERG
Die zweite Grathälfte zur Punta Kennedy ist reiner Genuss. In festem und griffigem Granit zackt sich die Schneide schier endlos in Richtung Westen, traumhafte Kletterei bis in den oberen dritten Schwierigkeitsgrad. Wie im Rausch spulen Caro und Hannes Meter um Meter zum Gipfel, die drohende Dämmerung drückt zusätzlich aufs Tempo. Felsköpfchen für Bandschlingen, Rissverschneidungen für Klemmgeräte: Die Strukturen scheinen wie gemacht für Kletterer. Kaum zu glauben, dass auch der Bergeller Granit vergänglich ist: Im Winter 2011 stürzten am berühmten Kletterberg Cengalo zwei Millionen Kubikmeter Fels ins Tal, das entspricht dem Volumen von 2500 Einfamilienhäusern. Die Punta Kennedy bleibt heute standhaft. Vom Gipfel ist die rot schimmernde Blechschachtel des Bivacco Oggioni nicht mehr zu verfehlen, romantisch schmiegt sie sich 150 Höhenmeter tiefer in den Sattel zwischen Monte Disgrazia und Pizzo Ventina. Die letzten Meter über den firnigen Gletscher werden zum Schaulaufen der Gefühle. Die Abendsonne taucht die umliegenden Berge in zartes Rosa, beim Blick nach rechts fällt direkt der Piz Bernina ins Auge, an dessen berühmten Biancograt sich Caro und Hannes auch schon in die Perlenschnur der Bergsteigermassen eingereiht haben. Heute haben sie seit dem Frühstück im Rifugio Porro nicht einen Menschen gesehen. Das ändert sich auch nicht, als sie die Tür der Blechschachtel öffnen, erleichtert und betört von den Eindrücken des Tages bereiten sie ihr Lager für die Nacht.

Abmarsch am Bivacco Oggioni, den Gipfel des Monte Disgrazia und die «Corda Molla» bereits im Blick.

EINE LEGENDE AUS STEIN
Die Sonne hat sich gerade über die Gipfel der Engadiner Bergriesen geschält, als Caro und Hannes am oberen Ende der Firnflanke ihre Steigeisen verstauen und in die Granitreise zum Disgrazia-Gipfel starten. Der Tag beginnt, wie der letzte aufgehört hat: genussvolle Kletterei mit atemberaubenden Tiefblicken. Schier endlos zieht sich der Grat nach Südwesten auf den höchsten Punkt des Bergells zu. Was vom Bivacco wie ein Katzensprung wirkte, offenbart sich als ständiges Auf und Ab durch rot leuchtenden Granit. Die Schlüsselstelle des Anstiegs ist zugleich Namensgeber der Tour: Via «Corda Molla». Wie ein «hängendes Seil» zieht eine gut 45 Grad steile Firnschneide zu den Gipfelfelsen. Bei gutem Trittfirn ist die Passage nicht allzu schwer. Heikel wird es bei Blankeis, denn die Flanke fällt steil ab, um dann in einem Abbruch über dem Disgrazia-Gletscher zu enden. Zusätzliche Eisschrauben sollten unbedingt im Gepäck sein. In griffigem Firn stapfen Caro und Hannes die ersten, flacheren Meter hinauf. Auf halber Strecke hat der schwindende Schnee eine Felsnische freigegeben, in der ein Stand aus soliden Schlaghaken für Entspannung sorgt. Die zweite Hälfte steilt deutlich auf und auch der Untergrund wird anspruchsvoller. Hannes versenkt einige Eisschrauben. Auf den letzten Metern zeigt die Schlüsselstelle Zähne: Die Frontalzacken der Steigeisen bohren sich in eine dünne Blankeis-Auflage und krachen auf Granit. Auch das zusätzliche Eisgerät, das Hannes vorsorglich an den vollgepackten Rucksack gesteckt hat, leistet nervenschonende Dienste. Steil leiten die Felsen der schattigen Nordwand von hier zum Gipfel. Trotz unklarer Wegfindung sind die letzten Meter schnell vollbracht, leider kann die Felsqualität nicht mit den hervorragenden Gratpassagen der vergangenen Stunden mithalten. Dennoch: Caro fällt Hannes überglücklich in die Arme. «Was für eine Mega-Tour!» Vor ziemlich genau einem Jahr standen sie gemeinsam auf dem Bergeller Paradegipfel Piz Badile. Den Weg über dessen Nordgrat hatten sie sich allerdings hart erkämpfen müssen: Stau an jedem Standplatz, wildes Seil-Wirrwarr und rücksichtsloses Gerangel um Griffe, Tritte und Platzierungen. Jetzt können es beide kaum fassen: Auch am Gipfel begegnen sie keinem Menschen. Ein alpines Abenteuer in völliger Einsamkeit. Kurz unterhalb steht mit dem Bivacco Rauzi eine weitere Notunterkunft parat. Ein Blick auf die Uhr verrät jedoch: Noch ist Zeit für den Abstieg zum Bivacco Kima. Als sie sich im bestens ausgestatteten Steinbau ihr Abendessen auf dem Gaskocher brutzeln, bekommen sie nach 36 Stunden Zweisamkeit zum ersten Mal wieder fremde Gesichter zu sehen: Ein italienisches Pärchen gesellt sich ebenfalls ins heimelige Bivacco Kima, das direkt am beliebten Weitwanderweg Sentiero Roma liegt. Auf dem Rückweg begegnen sie am nächsten Tag keinem Menschen. Denn anstatt ins Veltlin abzusteigen und mit dem Taxi oder Bus zum Ausgangspunkt zurückzukehren, wie es die meisten Überschreitungs-Aspiranten machen, hat Hannes eine Alternative ausgetüftelt: Über den Passo Mello zurück ins Valmalenco. Dieser Übergang wird in der Literatur kaum erwähnt, aktuelle Infos gibt es keine. Erst der Hüttenwart des Rifugio Porro konnte über diese Variante Auskunft geben – zumindest einigermassen: «Not impossible. But be careful», hatte er den beiden mit auf den Weg gegeben und von einem kaum mehr genutzten, etwas heiklen Übergang gesprochen. Entsprechend gross sind Freude und Erleichterung, als Caro und Hannes jenseits des Passo Mello die Randkluft auf den Disgrazia-Gletscher überwunden haben – das letzte fehlende Puzzlestück zu einer gewaltigen Überschreitung. Zwei Stunden später stehen sie wieder auf dem staubigen Parkplatz, es riecht nach Holzkohle, Grillfleisch und Sonnencreme. Kaum zu glauben, dass in unmittelbarer Nähe dieses Trubels einsame Abenteuer warten. Ein wahrer Alpinisten-Segen.

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