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Tags: Abenteuer, Expedition, Tourentipp

Mit dem Mountainbike inmitten des Himalaya

YANN KRIEGER, 16.10.2018

Ladakh, auch Klein-Tibet genannt, ist ein ehemaliges buddhistisches Königreich in Mitten des Himalayas. Ein Stück Land auf der Erde mit atemberaubenden Landschaften und ebenso faszinierenden Menschen. Bestimmt nicht der einfachste Ort für eine Bikepacking-Reise, dafür der richtige Ort für ein Abenteuer.

Ausgangspunkt Leh
Leh ist das zentrale Verwaltungszentrum von Ladakh und als zweitgrösste Ortschaft der ideale Ausgangspunkt für die Entdeckungsreise. Die Offenheit der vorwiegend buddhistischen Bevölkerung, bietet die Möglichkeit sich über Land und Leute ein Bild zu machen. Ob beim einheimischen Bergführer oder beim einfachen Brotbäcker an der nächsten Ecke - hier erfährt man so einiges aus der Region. Informationen, die sich für das weitere Abenteuer als essentiell herausstellen werden...

Akklimatisation
Die Gebirgs- und Hügelzüge rings um die Stadt bieten die ideale Möglichkeit um das geologische Terrain unter die Lupe zu nehmen und gleichzeitig ein paar kulturelle Höhepunkte zu besichtigen. Schnell wird auch klar, dass das Gebirge, dessen tiefste Täler immer noch auf 3000müM liegen, langsam entdeckt werden muss – man will Schritt für Schritt akklimatisiert sein, wenn es in noch höhere Lagen gehen soll.

Tso Moriri
Als erstes Projekt steht die Tour zum Tso Moriri, ein Hochgebirgssee auf über 4500m.ü.M. Mit Bike und Anhänger geht es in einer ersten Etappe durch das karge Industal in Richtung Osten. Die anfangs noch relativ guten Strassenverhältnisse nehmen rapide ab was die Einschätzung über den weiteren Verlauf der Route schwierig macht. Ob in dieser Felslandschaft wohl noch ein Plätzchen zum schlafen auffindbar ist? Glücklicherweise zeigen die letzten Sonnenstrahlen des Tages den Weg zu einer kleinen Bauernsiedlung namens Likche, welche sich als idealer Ort zum übernachten entpuppt.

Selbst in den entlegensten Winkeln trifft man auf die Gastfreundschaft der Ladakhis. Mit einer unkomplizierten Selbstverständlichkeit darf auf dem Kornfeld neben dem friedlich grasenden Yak das Zelt aufgeschlagen werden. Und ob das nicht schon genug wäre kriegt man warme Milch als Bettmümpfeli und eine Einladung zum Frühstück gleich dazu. 

Obwohl die Region durch Trekkingliebhaber immer mehr auch vom Tourismus geprägt ist, scheint man als Reisender auf dem Fahrrad praktisch überall noch auf grosses Interesse zu stossen. Selbst der einfache Strassenarbeiter legt Hammer und Meissel nieder um zum Tee in seinem Zelt am Strassenrand einzuladen.

Zähe Kilometer auf löchrigen und teils überspülten Schotterstrassen wechseln sich mit kleinen geteerten Abschnitten ab. Übernachtungen direkt am Strassenrand kontrastieren sich mit paradisisch grünen Zeltplätzen. Die trockene Hitze am Tag verhält sich gegensätzlich zur gefrierenden Kälte in der Nacht. Ein Weg der Kontraste bis zum See, dem Tso Moriri.

Das kleine Örtchen Karzok direkt am Tso Moriri bietet die Möglichkeit sich neu zu verpflegen und sich einen Ruhetag zu gönnen und die Gedanken weiter spielen zu lassen. Der Rückweg nach Leh führt über Tso Kar welcher entweder über eine Schotterstrasse erreichbar ist oder abgelegen über einem Nomadenpfad und drei Pässe von 5400müM führt. Die Entscheidung fällt klar auf die abenteuerlichere Variante. Aber wohin mit dem Anhänger und dem zu vielen Gepäck? Glücklicherweise lässt sich dieses Problem zufälligerweise mithilfe eines Krankentransport lösen, welcher neben dem Patienten die überflüssige Ausrüstung bis Tso Kar transportiert.

Während die ausgewählte Strecke ihren Tribut fordert und aufgrund der Höhenlage ein Biken aufwärts kaum mehr ermöglicht, wird man von den Atemberaubenden Landschaften und den flowigen Trails beim hinunterfahren mehr als entschädigt. Ob hier schon einmal ein Biker vorbei gefahren ist? Vielleicht weiss es der Hirte...

Von Tso Kar führt eine ausgebaute Strasse wieder zurück nach Leh. Als Abwechslung zur Verpflegung aus dem Rucksack kommt einem das Hotel auf dem ‚Leh-Manali-Highway’ gerade gelegen. Obwohl sich die kulinarische Auswahl in allen diesen ‚Autobahnraststätten’ auf eine einzige Sorte Maggi-Fertignudeln beschränk, ist man unglaublich glücklich über den wärmenden Energieschub.

Markha Valley
Zurück in Leh wird bereits die Planung für die nächste Tour in Angriff genommen. Von Einheimischen empfohlen und von Trekkern geliebt wird das Markha Valley. Was zu Fuss möglich ist, sollte doch auch mit dem Bike nicht so schwierig sein?

Der Weg ins Tal ist leicht gefunden. Bald aber stellen sich die ersten Hürden. Aufgrund einer weggeschwemmten Brücke wird die Überquerung des Flusses nur noch mit Hilfe einer Art Tyrolienne möglich. Danach stellt sich eine steile Wand zum Pass ‚Ganda La’ in den Weg. Wohl doch eher ein Trekkingweg als ein Biketrail...

Auf der Passhöhe angekommen entschädigen die freudigen Zurufe einer Indischen Trekkinggruppe den schweisstreibenden Aufstieg - und die flowigen Trails zurück ins Industal machen die harte Bergfahrt wieder mehr als wett. Fast perfekt, wäre da nur nicht der kräftezehrende Aufstieg zurück nach Leh.

Der Berg ohne Namen
Um etwas Abwechslung vom harten Sattel zu bekommen, bietet Leh als Ausgangspunkt für diverse Entdeckungen auch die Möglichkeit sich mit anderen Abenteurern zusammenzuschliessen. Warum nicht einmal die Pedale mit Steigeisen tauschen und eine kleine Gletschertour in Angriff nehmen? Auf zum Lasmiru La und von dort auf den namenlosen Gipfel.

Zanskar Valley
Zurück in Leh soll das längste Projekt in Angriff genommen werden. Inzwischen ist man sich die Höhe und die dünne Luft gewohnt und hat sich an die einsame und karge Landschaft gewöhnt. 

Zuerst wird der Leh-Manali-Highway Richtung Süden in Angriff genommen. Ab dem kleinen Örtchen Sarchu wo man sich noch einmal mit der allgegenwärtigen Maggi-Nudelsuppe verköstigen kann, zweigt ein schmaler Pfad in die karge Bergwelt.   

Nur zwei Wege führen in das sagenumwobene Zanskar Tal. Beide führen über einen 5600m hohen Pass. Aufgrund der Topographie ist es wohl lohnenswert sich für die flachere Aufstiegsvariante zu entscheiden. Der anfänglich fast unglaublich gut fahrbare Weg entpuppt sich später als das Gegenteil. Ein flächig ausgedehntes Unkraut voller Dornen ist da nur der Anfang. Die Durchquerung zweier eiskalten Flüsse, sowie der Aufstieg in einer steilen Geröllflanke, lässt keine andere Möglichkeit als das Bike auf den Rucksack zu packen und los zu klettern.

Nach zwei Tagen alleiniger Einsamkeit ist die Passhöhe erreicht. Endlich geht es wieder abwärts. Aber die Freude ist von kurzer Dauer. Der Weg ist maximal zu Fuss oder mit Pferden zu bewältigen. Grobes und loses Geröll lassen keine andere Möglichkeit als praktisch die ganze Strecke zu schieben. 

Anstelle einer genüsslichen Abfahrt wird man zur verblockten Abwärtsschieberei auf dem letzten Abschnitt auch noch mit Tragen des Bikes durch ein steiles Flussbett belohnt. Fazit: Das angestrebte Örtchen ‚Table’ wird gerade mal bei Anbruch der Dunkelheit erreicht. Glücklicherweise ist hier etwas Leben zu erkennen. Ein Bauer der gerade seinen Esel gepackt mit Getreide zurück in den Stall führt, lädt zu Essen und Übernachtung in sein Haus. Entkräftet und Hungrig wird das Angebot dankend angenommen.

Glück gehabt. Die Gastfreundschaft lässt auch in den entlegensten Winkeln des Himalayas nicht nach. Und auch der Pfad ist grösstenteils wieder mit dem Bike befahrbar. Ermutigt kann also die Reise durch das Tal fortgesetzt werden.

Der Buddhismus hat seine Spuren bis in die abgelegensten Täler hinterlassen. Kleinere Tempel und Klöster sind sogar hier anzutreffen. Ein Mönch zeigt den Weg etwas abseits der Strecke zum Kloster Phukthal.   

Das Kloster ist vollumfänglich in einen Felsen gebaut und ist nur mühsam über eine schmale Holzbrücke zu erreichen. Die Mönche leben hier um zu Beten und den buddhistischen Glauben tagtäglich zu leben. Nahrung kommt von den umliegenden kleinen Bauernbetrieben, welche im kurzen Sommerhalbjahr mit kleinsten Mitteln auf minimaler Fläche den gesamten Jahresbedarf an Essen generieren müssen.

Die Reise führt weiter aus dem Tal heraus, an verschiedenen Klöster vorbei, nach Padum, das Zentrum von Zanskar. Hier gibt es nach Tagen wieder einmal die Möglichkeit sich mit Nahrungsmitteln einzudecken und sich bei Bedarf mit einem Satellitentelefon mit der Aussenwelt zu verbinden. Den Preis von 10 Franken für 3 Minuten ist wohl aber den Reisenden mit grösserem Budget überlassen.

Padum ist zugleich auch die letzte Ortschaft im buddhistischen Teil Ladakhs. Der Weg aus Zanskar führt durch eine malerische Landschaft. Die Berge sind hier im südlichen Teil mit mehr Schnee bedeckt, da sie von der Südstaulage auf dem indischen Kontinent mehr Niederschlag abbekommen. Überquert man den Pass ‚Pensi La’ erreicht man Kashmir, die muslimisch geprägte Region an der Grenze zu Pakistan. Mit etwas Wetterglück kann man von hier aus einen Blick auf die 7000er Gipfel Nun und Kun (Übersetzt: König und Königin) ergattern. 

Der Kulturschock auf der anderen Seite ist gross. Schon bei den ersten Ortschaften hinter dem Pass stehen Moscheen, Frauen tragen Kopftücher und die Märkte scheinen viel geschäftiger zu sein. Nicht anders steht es jedoch mit der Gastfreundschaft. Auch hier werden einem Tee und Kekse angeboten.

Der Weg führt weiter über Hügel und durch kleine Dörfer entlang des Suru Flusses. Die Polizei überprüft Pass und Papiere. Es geht nach Kargil, das zweite Verwaltungszentrum von Ladakh. Die Stadt gehört zu indisch Kashmir und ist aufgrund seiner Nähe zu Pakistan geprägt von dessen Kultur. Schlafsack und Zelt können hier wieder einmal durch ein Guesthouse getauscht werden, denn das geschäftige Örtchen ist ein grosser Handelsknotenpunkt und ist sich Reisende gewohnt. Für einmal gibt es auch eine Möglichkeit sich mit der Aussenwelt zu verbinden. Cyber-Cafés gibt es fast an jeder Ecke.

Aufgrund der verhältnismässig vielbefahrenen Strecke zwischen Kargil und Leh kann man den Versuch wagen per Autostopp zurück zu reisen. Ein Taxi in Form eines vollgeladenen Trucks lässt sich auf das Experiment ein. Das Bike kurzerhand auf das Dach gebunden geht es mit atemberaubendem Tempo (30Km/h) die Hügel hinauf und auch wieder hinunter. Aufwärts kann das Gefährt nicht schneller, abwärts wird mit dem Motor das Tempo gedrosselt um die Bremsen nicht zu überhitzen. Obwohl die Geschwindigkeit schlussendlich nicht viel schneller ist als mit dem Bike, bietet die Fahrt die Möglichkeit die Beine einmal etwas hochzulagern.

Stok Kangri
Trifft man in Ladakh auf Touristen, sind es entweder ambitionierte Trekker, ehrgeizige Bergsteiger oder neugierige Abenteurer. In den einsamen Höhen der Region geht man nicht wortlos aneinander vorbei. Interessante Expeditionen und wertvolle Erfahrungen werden ausgetauscht – und neue Projekte geschmiedet. So auch das letzte Projekt in Ladakh, denn es bleibt noch eine weitere Woche übrig.

Reisende mit dem Bike sind leider kaum anzutreffen, was jedoch nicht daran hindert eine Idee gemeinsam mit anderen Abenteurern umzusetzen. Peter aus Slowenien ist sofort für ein gemeinsames Projekt zu begeistern. Der Plan: Stok Kangri, mit seinen 6153müM der wohl Bekannteste Gipfel Ladakhs. Bergschuhe, Steigeisen, Pickel und warme Handschuhe sind dank den inzwischen gut befreundeten Einheimischen Bekannten schnell organisiert.

Mit dem Bike geht’s los von Ladakh über den Indus auf die andere Seite des Tals Richtung Stok, während Peter die Strecke zu Fuss in Angriff nimmt. Da der Treck zum Basecamp auf 4800müM relativ viel begangen wird und die Steigung relativ flach ausfällt, ist er auch für den rollenden Aufstieg verhältnismässig gut geeignet. Nach zwei Tagen ist der Zustieg zum Basislager getan. Etwas verdutzt und bewundernd sind die Blicke im Basecamp allemal – ob hier überhaupt schon einmal ein Fahrrad gesichtet wurde? 

Glücklicherweise steht eine klare Nacht bevor, was eine Besteigung vor Sonnenaufgang ermöglicht. Das Erklimmen des Gipfels bei Dunkelheit hat den Vorteil, dass die gefrorene Schneedecke nicht durch die Sonne aufweicht und einen stabilen Untergrund bietet. Zudem ist durch den frühen Startpunkt eine rechtzeitigen Rückkehr am nächsten Tag garantiert.

Den Wecker auf 24:00 Uhr gerichtet gönnt man sich noch ein paar wenige Stunden Schlaf. Nach der kurzen Erholung erfolgt der Start bei klirrender Kälte, kurz nach Mitternacht. Mit der Überquerung einer kurzen Gletscherpassage und dem anschliessende Aufstieg über eine schneereiche Flanke sind die ersten Hürden gemeistert. Obwohl die Route über den folgenden Grat technisch nicht sehr schwierig zu meistern ist, wird der fehlende Sauerstoff mehr und mehr zum grössten Feind. Nach zehn Schritten eine Pause – nach neun Schritten – nach acht Schritten usw. Je näher der Gipfel rückt, desto schwieriger erscheint es ihn zu erreichen.

Für das geniessen der unglaublichen Schönheit der Morgendämmerung bleibt somit nur wenig Zeit, soll das Ziel, bis zum Sonnenaufgang den Gipfel zu erklimmen, erreicht werden. Ob dies wohl realistisch ist? 

Mehrere Pausen und einige 1000 Atemzüge weiter. Geschafft! Genau 2 Minuten vor den ersten Sonnenstrahlen ist das Ziel erreicht. Die unendliche Stille und die atemberaubende Aussicht auf die tausenden Gipfel rundherum hinterlässt ein unglaubliches Gefühl von Glück und Zufriedenheit. Einzig in der Hoffnung, dass die Sonnenstrahlen etwas Wärme bringen würden, wird man enttäuscht. Ein baldiger Abstieg ist somit unumgehbar.

Die Rückkehr zum Basecamp und die darauffolgende Abfahrt auf den Trails nach Leh ermöglichen noch einmal die Zeit in Ladakh revue zu passieren. Bilder  und Begegnungen, die auch lange danach noch im Kopf bleiben und die wohl für immer als Inspiration für weitere Abenteuer animieren.

Ein grosser Dank geht an Jigmed und Namgyal, Bergführer und Gründer der unabhängigen Ladakh Mountain Guide Association, welche sich für Umwelt, Sicherheit, Entwicklung und ausserdem für eine korruptionsfreie Bergverbandsführung einsetzen.

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