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Tags: Hochtour

Runde Sache: Hochtour auf den Uri Rotstock und den Brunnistock

Thomas Ebert, 06.07.2021

Als bekannter und begehrter Aussichtsgipfel wird der Uri Rotstock heutzutage als lange Tagestour «abgehakt». Wer sich aber einen Tag mehr Zeit nimmt, kommt in den Genuss einer Nacht in der Gitschenhörelihütte – und kann sogar noch eine kleine Hochtour am benachbarten Brunnistock anhängen.

Das Abenteuer beginnt hier», lacht Jürg, als er das Auto in Isleten auf die bruchsteile Strasse ins Isental lenkt, die so schmal ist, dass man zu bestimmten Zeiten das Postauto nicht kreuzen darf. Sogar zur Touristenattraktion ist die Strasse geworden – wobei es vorkommt, dass der Postautofahrer deren Autos zurücksetzen muss, wenn ihnen der Schreck in die Glieder gefahren ist. Denn diese Strasse «hat es tatsächlich in sich» (NZZ).

Eigentlich ist es falsch, sich so dem Uri Rotstock zu nähern. Wie früher müsste man es machen: zu Fuss ab der Schiffslände Isleten, Übernachtung auf Biwald- oder Musenalp, tags drauf Uri Rotstock und wieder hinab zum See, sich die Mühsal von zweieinhalbtausend Höhenmetern dort abwaschen, wo man tags zuvor aufgebrochen ist. Wir aber packen, neben Gletscherausrüstung, Abendessen und Frühstück, auch zehn Tafeln Schoggi für drei Personen und zwei Tourentage ein und erklären nach gründlicher Abwägung, insbesondere der Rucksäcke, die Nutzung aller planmässig verkehrenden Transportmittel für zulässig. Der Vorteil ist, dass wir so auch in den Genuss des Musenalp-Bähnlis kommen. Noch so ein kleines Abenteuer, bevor der eigentliche Weg beginnt: Maximal vier Personen sind in der fliegenden Kiste erlaubt, selbst bei grossem Andrang käme niemand freiwillig auf die Idee, diese Vorgabe zu brechen. Platz für ein Gedicht ist aber noch: Der Schriftsteller Hans Döös hat die Musenalpbahn mit ein paar Versen verziert, wie auch 29 andere Bergbahnen im Kanton Uri im Rahmen des Projekts «Mit Poesie auf Berg- und Talfahrt». Wir sind jedoch so damit beschäftigt, per Telefon die Abfahrt zu bestellen und nicht aus der Bahn herauszufallen, dass uns die lyrische Note gar nicht auffällt.


Ständig im Blick: der Urnersee, der zweieinhalbtausend Höhenmeter unter dem Uri Rotstock liegt.


Seil oder nicht Seil

Ab der Musenalp sind die Beine und nicht mehr die Nerven gefordert. Über sumpfige Blumenwiesen (die Musenalp kommt von Moos, nicht von Musen) steuern wir auf die steile Nordostflanke des Uri Rotstock zu. Erst seit den 1920er-Jahren wird dieser Anstieg regelmässiger begangen. Als grosser Wasserfall stürzt der Firnbach vom Chesselfirn hinab, dem letzten intakten Gletscher am Uri Rotstock. Wenn der Bach im Frühjahr viel Wasser führt, kann seine Querung die Schlüsselstelle auf dem Weg zum Uri Rotstock darstellen. Heute wechseln wir trockenen Fusses die Bachseite, denn das Einzige, was rinnt, ist Schweiss. Düster und steil schlängelt sich der Weg bergan zur Stelli, wo wir die Vegetationszone verlassen. Ein mit Ketten versicherter, plattiger Steilaufschwung stellt sich noch in den Weg, dann verschnaufen wir im ehemaligen Gletscherbecken des Chlitaler Firn. Sein kümmerlicher Eisrest kauert sich nordseitig noch in den Schatten des Grates zwischen Gitschen und Rotstock, an unseren Normalweg zum Gipfel reicht er weit nicht mehr heran. Umso erstaunter blicken Wanderer auf Michis Rucksack, unter dessen Deckeltasche das Seil klemmt. «Was habt ihr denn damit vor?» Gute Frage …

Weiter oben beginnt eine nicht nur für Geologen merkwürdige Wegstrecke. Gleichmässige, wie mit einem Wunderschwert geschnittene Felsterrassen, schichten sich auf, und wir wandeln über die abgeschliffenen Platten, als wären es die Sinterterrassen von Pamukkale oder zumindest der Steinbruch von Carrara. Auch in diesem Becken befand sich einmal der Chlitaler Firn – doch das, was davon noch übrig ist, wird nun als Toteis von Schotter bedeckt. So steigen wir ohne Eisberührung den letzten steilen Schotterhang hinauf in den Rotstocksattel. «Gott sei Dank», entfährt es Michi. Nicht, weil uns nur noch ein paar Minuten von der nächsten Schoggi trennen, sondern weil der Blick zum Blüemlisalpfirn frei wird und beweist, dass das Seil für die morgige Tour zum Brunnistock nicht völlig umsonst dabei ist.


Der relativ zahme Blüemlisalpfirn zwischen Brunnistock und Uri Rotstock eignet sich gut für erste Gletschererfahrungen


Am Gipfel des Uri Rotstock reduzieren wir die Schoggi-Last um ein Zehntel, sehen uns satt am Tiefblick zum Urner See und gestatten uns dann ein Nickerchen, weil der Ausblick Richtung Titlis, Dammastock und Co. sowieso wolkenverhangen ist. Die ultrafitten Trailrunner, die den «Rotä» als Tagestour von St. Jakob aus durchziehen und nur kurz am Gipfel anschlagen, nehmen wir blinzelnd wahr und freuen uns still, dass wir noch länger hier sein dürfen. Das Restprogramm ist schnell erledigt: Durch den Schotter der roten Gipfelpyramide pflügen, ein paar seilversicherte Steilstücke abklettern, ein gutes Stündchen später stehen wir vor der Gitschenhörelihütte.


Eisig und einladend

Die bestens gepflegte Selbstversorgerhütte besitzt den Luxus einer sonnigen Natursteinterrasse, auf der wir uns ausstrecken und die Schoggi-Last weiter reduzieren. «Meine Liebe rot wie Blut und weiss wie Schnee» singen die Anhänger des grössten deutschen Fussballklubs, und das passt auch in diesem alpinen Amphitheater: links auf den Rängen der Uri Rotstock mit seiner roten Zipfel-, pardon, Gipfelhaube; rechts der Brunnistock mit dem mal weissen, mal auch eher graublauen Blüemlisalpfirn. Anders als sein zerrissener Namensvetter im Berner Oberland wirkt er einladend: ein flacher, hindernisloser Zugang führt auf die breite Gletscherzunge, die frei von Flaschenhälsen, Séracs oder Randspalten ist. Ein Gletscher, wie gemacht für erste Erfahrungen im Eis, zur Verfeinerung der Steigeisentechnik oder für den nervenschonenden Wiedereinstieg nach längerer Hochtourenabstinenz. Als Krönung vermittelt ein dünnes Firnband den Übergang zum Gipfelgrat des Brunnistocks – ideale Aussichten für den morgigen Tag.


Panoramarast: Kurz vor dem Gipfel des Uri Rotstocks (2929 m) schweift der Blick über Blüemlisalp- und Schlossfirn zum Wissigstock.


Schon bei der Reservation hatte die Hüttenwartin angekündigt, dass die Holz-, Bier- und Weinvorräte erst zwei Tage zuvor aufgefüllt worden seien – und dass noch eine fünfköpfige Wandergruppe vorbeischauen würde. Alles treffen wir wie angekündigt vor Ort an, Regenwasser zum Abkochen ist auch genügend da, und so wird es ein lustiger Abend, der erst von den pandemiebedingt zwischen die Lagerplätze gehängten Plastikfolien getrennt wird. Anderntags verstauen wir Überflüssiges hinter der Hütte und stolpern durch das stets unliebsame, noch nicht fertig erodierte Block- und Sandgemisch hinab zum Gletscher. Der völlig apere Gletscher ist ein Genuss, zwingt uns keinen Weg auf. Nach Belieben steuern wir unsere Seilschaft über kleine Spalten und testen aus, bis zu welcher Steilheit die Vertikalzackentechnik noch Spass macht. Viel früher als geplant leitet uns das gestern erspähte Firnband bis knapp unter den Schuttgrat des Brunnistock. Jenseits der Schneide bricht seine Ostwand überraschend steil und mächtig Richtung Erstfeld ab – der Gipfel scheint sogar überhängend über dem Tal zu thronen. Und während Michi den Blick ins heute unverhüllte Berner Oberland wandern lässt, zieht Jürg mit einer Tafel «Giandor» den Joker aus dem Rucksack. Alles passt!

In Hochstimmung treten wir den Rückweg an. Etwas übermütig versuchen wir uns an einem Direktabstieg zur Gitschenhörelihütte und geraten weit an den Rand des Gletschers – zweimal geht ein mächtiger Ruck durchs Eis, fährt uns in die Beine. Wir schleichen uns schleunigst wieder ins dickere Eis, Lektion gelernt. Zurück auf der Hüttenterrasse nehmen wir uns alle Zeit, lassen die Steigeisenriemen trocknen und bummeln dann das Grosstal hinunter zur Biwaldalp. Die Landschaft ist ein Stück Schweiz vom Feinsten und hat tatsächlich Modellcharakter: Im «Klimahaus» in Bremerhaven, einem Museum, das alle Klimaregionen der Erde versammelt, hat man das Isental, die Biwaldalp und den Uri Rotstock sogar nachgebaut – stellvertretend für die Schweiz. Der letzte kurze Gegenanstieg hinauf zum Sassigrat tut auch deshalb nicht so weh, weil wir in eine Gruppe von Mountainbikern geraten, die ihre Hobel unter weit grösserem Schweissverlust den Pfad hinaufwuchten. Zurück an der Musenalp schliesst sich der Kreis. Drei Tafeln Schoggi sind noch übrig: Unsere kleine Urner Runde war so köstlich, dass es weitere Süssungsmittel gar nicht brauchte.

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