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Tags: Trailrunning

TOR des Géants

Patrick Goeringer, 24.03.2020

Der « TOR des Géants » gehört zu den schwierigsten Ultra Trails der Welt. Eine Länge von 330 km und einen Höhenunterschied von 24000 m machen diesen einzigartigen Lauf zu einer aussergewöhnlichen Herausforderung, wo die Teilnehmer ihre Körper an die oberste Grenze der Belastungsfähigkeit bringen.

Der Start befindet sich in Courmayeur und die Rundstrecke geht um das gesamte Aostatal herum, wobei zuerst die Via Alpina Nr. 2 im Süden genommen wird und der Rückweg über die Via Alpina Nr. 1 führt.

Trotz seiner Länge ist der Lauf bei den Ultra- Ausdauerathleten sehr beliebt und es wird angeraten, bei der Einschreibung einige Ausdauerbergläufe vorweisen zu können. Es ist ein Vorteil, wenn man schon ein paar Ultras von 170 km Länge absolviert hat. Heutzutage werden viele Startplätze ausgelost. Bei mir klappte es erst beim dritten Versuch, eines der begehrten Tickets zu erhalten.

Am Sonntag, dem 14. September, zeigen sich Anzeichen von Nervosität, da ich mir die Frage stelle, ob es vernünftig ist, sich in einen solchen Wahnsinn zu stürzen, und das noch mit einem Riss des Innenbandes am linken Knie und einer Teilblockade des rechten Knies. Im grossen Gymnasium von Courmayeur hole ich meine Startnummer und gebe meine Läufertasche ab. Das Wetter ist schlecht, deshalb verlangt die Rennleitung, dass jeder Läufer Steigeisen mitnimmt. Ab einer Höhe von 2000m schneit es.

An der Startlinie erlebe ich einen magischen Moment zwischen Euphorie und Emotionen, die Gedanken sind anderswo, jeder in seiner Welt, an die Schwierigkeiten denkend, die auf der Strecke auf ihn warten.
Der Start ist um 12h00, sämtlicher Stress verschwindet augenblicklich und ich spüre überhaupt keine Angst vor dem, was kommt, und ich denke nur noch an mich selbst und daran, mein Bestes zu geben.

Während des ersten Anstiegs zum Col d’Arp auf 2571m regnet es, später kommt Schnee hinzu. Der Pass ist von einer 10cm dicken Schneeschicht eingedeckt und der Schneesturm ist in vollem Gange. Deshalb beeilt sich jeder, so gut wie möglich und mit nicht immer kontrollierten Rutschpartien den Abstieg hinter sich zu bringen.

Km 27, ich komme beim Rifugio Deffeyes auf einer Höhe von 2500m an. Es ist so kalt, dass ich meine Goretex Jacke und meine Handschuhe anziehe. Die Verpflegung wird schnell hinter sich gebracht, einige Läufer holen sich Erfrierungen an den Fingern. Ich setzte meinen Lauf unter einem weniger bedrohlichen Himmel in Richtung einem weiteren Pass auf über 2800m Höhe fort.

Km 50, ich komme in Valgrisenche (erste Life Base) bei Einbruch der Dunkelheit an. Ich halte mich nicht lange auf, esse schnell einen Teller Teigwaren, eine Suppe und einen Teller Kartoffeln, fülle meine halbgefrorenen Flaschen auf und breche wieder in die Dunkelheit auf.

Ein wenig später beim Aufstieg zum Col Fenêtre bemerke ich, dass sich die Blockade in meinem rechten Knie gelöst hat. Ich nehme das als sehr gutes Vorzeichen für den restlichen Verlauf. Ich lache vor mich hin, dass mir der TOR ein Knie geheilt hat.

Im Morgengrauen komme ich in Eau Rousse an und entschliesse mich, eine halbe Stunde Pause einzulegen, etwas Warmes zu essen und zu trinken, bevor ich den Col Loson mit seinen 3302m in Angriff nehme. Der letzte Kilometer ist steil, manchmal muss man die Hände benutzen, um das Gleichgewicht zu halten, es hat Schnee, es ist rutschig. Dadurch, dass ich an solch technisches Gelände gewöhnt bin, hole ich weiss nicht wie viele Läufer ein.

Km 106, es ist mitten am Nachmittag, als ich in Cogne ankomme. Es ist heiss, ich nutze die Gelegenheit, um meine Füsse anzuschauen und die Strümpfe zu wechseln. Ich gönne mir etwas, indem ich beim Verpflegungsposten von allem etwas esse und mich 30 Minuten auf eine Bank lege. Anschliessend gibt es wieder einen langen Anstieg zum Rifugio Sogno auf 2534m, den ich halb erfroren erreiche. Es ist kalt, stellenweise hat es Eis auf der Strecke und es weht ein bissiger Wind. Um meine Hände aufzuwärmen, schüttet mir die Hüttenwartin eine Flasche warmes Wasser über die Hände.

Km 151, ich komme in Donnas gegen 4:30 am Morgen an. Ich entscheide mich, eine erste Dusche zu nehmen, die Schuhe zu wechseln und ein erstes Mal 1h30 zu schlafen, bevor ich die schwierigste Etappe des TOR bis Gressoney in Angriff nehme.

Bei der Ankunft im Rifugio Coda fängt es an zu regnen und ungefähr 10km weiter, beim Rifugio della Barma, mache ich mit einem Italiener eine ca. 40-minütige Pause, wir wärmen uns auf und trocknen unsere Sachen ein bisschen.
Es folgt eine Serie von schlammigen Auf- und Abstiegen, was dazu führt, dass wir abwechselnd, nicht sehr graziös und erfolglos versuchen, das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

Die nächtliche Ankunft in Niel ist schwierig, ich bin alleine. Als Resultat der Auf- und Abstiege im technischen und rutschigen Gelände hat sich unsere kleine Gruppe aufgesplittert. Ich fühle mich nicht in der Lage, die folgenden 850 Höhenmeter bewältigen zu können und entscheide mich, 40 Minuten in einem Zelt des Veranstalters zu schlafen. Ich kommuniziere die Zeit, zu der ich geweckt werden möchte, und gehe schlafen … Ich schliesse meine Augen und schlafe direkt ein. Die wenigen Minuten Schlaf bringen viel Erholung. Dadurch kann ich einige Läufer einholen, die Probleme haben … Im Zickzack laufend, fragt mich der eine oder andere, wo wir sind. Aufgrund der Ermüdung befinden wir uns in einer anderen Welt … Hier wird eine schlechte Strategie hart bestraft. Auf den eigenen Körper hören ist entscheidend.

Km 206, am Ende der Nacht erreiche ich Gressoney. Es wird zu einem Ritual: essen, trinken, duschen, erneut 1h30 schlafen. Alle unsere Gesichter sind von den Strapazen gezeichnet. Die Gehweise von einigen lässt auf die Schmerzen in deren Körper schliessen, andere haben wegen Blasen blutige Füsse, wieder andere lassen sich von Assistenten massieren und überall dort, wo der Körper zu stöhnen beginnt, Strapping anbringen. Bei einigen sagt der Körper Stopp und der Lauf ist hier beendet.

Einigermassen erholt starte ich in Gressoney, ich habe keinen Muskelkater und das muntert mich für den weiteren Verlauf auf. Nächste Etappe Valtournenche, durch erneutes Überwinden einiger Pässe.

Mitten am Nachmittag erreiche ich Valtournenche. Ich bin nicht sehr erschöpft und setze mein übliches Ritual um. Gegen 20h30 breche ich mit einem Italiener auf, der den TOR schon gemacht hat. Wir haben ungefähr den gleichen Rhythmus. Es ist immer einfacher, in der Nacht zu zweit zu sein. Zwei Lampen erhellen mehr als eine und mit unserer Müdigkeit riskieren wir weniger, uns zu verlaufen.

Der Anstieg zum Fenêtre du Tsan unter Vollmond ist fantastisch. Der Abstieg hingegen ist unglaublich steil. Zum Glück habe ich Stöcke. Gegen 1h00 am Morgen erreichen wir das Rifugio Magià … Ich bin auf den letzten hundert Metern ein bisschen Zickzack gelaufen. Ich schlief teilweise ein. Der Weg war einfach und so schloss ich beim Laufen unbewusst die Augen und öffnete sie ein paar Schritte weiter wieder.


Der Italiener kann nicht mehr und entschliesst sich, bis zum Morgen zu schlafen. Ich entschliesse mich, 1h00 zu schlafen und gehe dann alleine weiter in die Nacht. Diese Stunde Schlaf hat mir sehr viel Energie gegeben. Mein Höhenmesser zeigt mir eine Aufstiegsgeschwindigkeit von 1000m pro Stunde an.

Um die Mittagszeit nehme ich den Anstieg zum Col Bruson unter einer unerträglichen Hitze in Angriff. Mit der angehäuften Müdigkeit ist es ein wahres Martyrium. Ich hole trotz allem einige Läufer ein … einige schwanken, andere liegen sprichwörtlich auf dem Weg. Ich muss mich beherrschen, es ihnen nicht gleich zu tun.

Km 287, ich erreiche Ollomont, die letzte Life Base vor Courmayeur, in einem schwammigen Zustand. Meine Füsse brennen, es ist heiss. Trotz allem fühlt es sich langsam nach dem ersehnten Ende an … Ich wollte eigentlich ein bisschen schlafen, aber es ist zu laut. Ich ruhe mich ein bisschen aus, lasse mir eine Blase am Fuss behandeln und entscheide mich, weiterzulaufen und hoffe, den gesamten Aufstieg zum Col Champillon bei Tageslicht zu schaffen.

Im Rifugio Champillon ist es Zeit für das Abendessen. Als ich in den Speisesaal trete, stehen alle auf und applaudieren mir. Ich bin gerührt.
Beim Anstieg zum Pass muss ich anhalten, um mir das Verbandspflaster abzunehmen, das meine Blase schützen sollte. Ich stosse einen Schrei in die Nacht, als ich das Pflaster abreisse.

Bevor ich in Saint Rhémy ankomme, führt die Strecke ca. 12km über einen relativ flachen Weg. Da ich in dem Moment alleine in der Nacht unterwegs bin, fange ich an, auf dem Weg ganz schön zickzack zu laufen. Ich schlafe während des Laufens die halbe Zeit und wach nur auf, weil ich mit meinem linken Fuss gestolpert bin. Ich fange deshalb an, mit meinen Füssen zu reden und manchmal hört man einige Schimpfwörter durch die Nacht gleiten. Ich habe meinen Kopf nicht mehr bei der Sache und ich muss unbedingt schlafen.

In Saint Rhémy frage ich bei der Rennleitung, ob ich irgendwo schlafen kann. Aber sicher, Sie müssen nur dem Herrn da drüben folgen. Ja, aber er geht zur Kirche. Ja, das stimmt schon. Tatsächlich ist das Pfarrhaus neben der Kirche als Schlafraum für das Rennen umfunktioniert worden. Der Pfarrer persönlich kümmert sich um die Schlafzeiten der Läufer. Ich bin so kaputt, dass ich sofort einschlafe und mir nicht mal mehr die Schuhe ausziehe.
Nach 1h30 Schlaf laufe ich mit einem Spanier weiter. Er läuft komisch mit den Heftpflastern an seinen Beinen und den Schienen an den Knien. Von Zeit zu Zeit höre ich ihn bei einem schiefen Tritt vor Schmerz leise jammern.

Beim Rifugio Frassati auf 2537m mache ich nur einen kurzen Halt. Vor mir liegen noch 400 Höhenmeter bis zum Col de Malatra, der letzten Schwierigkeit vor dem langen Abstieg nach Courmayeur. Beim Col de Malatra erlebe ich den Höhepunkt, die Morgendämmerung bricht langsam herein, der Mont Blanc ist rosa und bläulich gefärbt und wird schlussendlich orange. Es ist der krönende Abschluss, den mir der TOR gibt.

Ich komme Freitagmorgen gegen 10h00 und nach 118h00 Laufzeit in Courmayeur an. Die Zeit ist nicht berauschend, aber wenn man den Zustand meiner Knie am Anfang bedenkt, bin ich mit meiner Leistung ganz zufrieden. In der Schlusswertung komme ich auf dem 121. Platz von 989 gestarteten Läufern.

Einer meiner Träume wurde wahr. Beim TOR habe ich intensive Momente von Freude, Schmerz und Emotionen erlebt. Meine ursprüngliche Idee war es, Ultra Trail Rennen nach diesem Lauf aufzugeben, aber zu versuchen bis ans Ende meiner Fähigkeiten zu gehen, die Maschine in die Enge zu treiben, bringt mich dazu, anders zu denken und noch weiter zu gehen. Nichts desto trotz muss ich auch auf meiner Arbeit täglich neue Herausforderungen angehen!

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