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Tags: Wissen, Camping

Die richtige Zeltwahl

Andrea Brändli, 10.07.2017

Auf Expeditionen und Bergtouren, beim Trekking oder auf Reisen stehen Zelte wie kein anderer Ausrüstungsgegenstand für Unabhängigkeit und Abenteuer! Damit man die Übernachtung im Zelt auch geniessen, sich erholen und ruhig schlafen kann, ist es wichtig, mit einem Zelt unterwegs zu sein, das den gesetzten Ansprüchen gerecht wird und das zuverlässig vor Regen, Wind, Sturm, Schnee oder auch Insekten schützen kann und den Launen der Natur standhält.

EINSATZBEREICHE
Es gibt kein Zelt, das alles kann! Deshalb sollte man sich vor dem Zeltkauf die Frage stellen: Wofür brauche ich das Zelt hauptsächlich?
Muss man das Zelt selbst im Rucksack tragen, sollte das Hauptaugenmerk auf dem Gewicht und dem Packmass des Zeltes liegen. Maximal 2 kg Zeltgewicht pro Person ist die Obergrenze, wenn man mit dem Zelt zu Fuss unterwegs ist. Ist man längere Zeit in niederschlagsreichen Regionen unterwegs und muss unter Umständen auch mal einen ganzen Tag im Zelt ausharren, empfiehlt sich ein Zelt mit grosszügigen Platzverhältnissen, einer geräumigen Apside und guten Belüftungsmöglichkeiten.
Plant man eine Expedition oder ist in rauen, stürmischen Verhältnissen unterwegs und muss mit andauerndem Schneefall rechnen, kommt man kaum um ein wirklich sturmfestes, meist geodätisches Expeditionszelt herum. Biwakiert man vorzugsweise in warmen, trockenen Sommernächten lohnt sich ein Zelt, bei dem man nur das Innenzelt (ohne Aussenzelt) als Insektenschutz aufstellen kann („amerikanische“ Bauweise).

TYPOLOGIE

Geodätische, Kuppel- und Tunnelform

KUPPELZELTE
Eigentliche Kuppelzelte bestehen aus mindestens zwei gleich langen Gestängebögen, die sich oben in der Mitte kreuzen. Da die Gestängebögen unter Spannung stehen, lässt sich dieser Zelttyp auch ohne Heringe und Abspannleinen aufstellen, d.h. er ist praktisch freistehend. Die Beschaffenheit des Untergrunds spielt daher bei der Platzwahl nur eine untergeordnete Rolle, ein Kuppelzelt lässt sich grundsätzlich auch auf einer Felsplatte aufstellen.

  • Freistehend
  • Schneller Aufbau möglich
  • Windstabil, gegen alle Seiten gleichmässig
  • Relativ grosser Innenraum
  • Eher kleine Apsiden
  • Eher schwer

TUNNELZELTE
Tunnelzelte bestehen aus mindestens zwei (theoretisch unendlich vielen) hintereinander gereihten Gestängebögen, die vorne und hinten mit mindestens je einer Abspannleine aufgerichtet und fixiert werden müssen. Da sie nicht freistehend sind, ist eine zweckmässige Platzwahl wichtig. Im alpinen Gelände sind Tunnelzelte daher etwas im Nachteil. Tunnelzelte bieten aber von allen Zelttypen die beste Raumausnutzung, da die Gestängebögen in Bodennähe fast senkrecht verlaufen und man auch nahe an der Zeltwand aufrecht sitzen kann.

  • Schnell aufzubauen, auch bei starkem Wind
  • Gutes Raum-/ Gewichtsverhältnis
  • Bei optimaler Abspannung sehr stabil
  • Grosse Apsiden möglich
  • Nicht freistehend
  • Längsseite bietet dem Wind viel Angriffsfläche

GEODÄTISCHE ZELTE
Ist die Anzahl der Kreuzungspunkte grösser als die Anzahl der für die Kuppel eingesetzten Stangen, spricht man von einer geodätischen Konstruktion (der theoretisch perfekte Geodät wäre die Annäherung an eine Halbkugel). Diese Extremvariante der Kuppelzelte ist äussert stabil und eignet sich daher für sturmanfällige Regionen und den Expeditionsgebrauch.

  • Maximaler Schutz gegen Wind und Stürme
  • Hält auch grösseren Schneelasten stand
  • Wirklich freistehend
  • Grosser Innenraum
  • Ziemlich schwer (grosse Anzahl an Stangen)
  • Eher kompliziert aufzubauen

MATERIALIEN
Beim Bau von Leichtgewichtszelten werden nur noch zwei Materialien eingesetzt: Nylon oder Polyester.

NYLON
Nylon ist sehr leicht (60 - 70 g/m²), hat eine hohe Reiss- und Abriebfestigkeit und verrottet auch in feuchtem Zustand nicht so schnell. Im nassen Zustand hat das Material die Eigenschaft, sich zu dehnen, weshalb Nylonzelte regelmässig nachgespannt werden sollten. Um der hohen UV-Empfindlichkeit entgegenzuwirken, werden hochwertige Nylonzelte entweder beidseitig mit Silikon beschichtet (erfordert ein Abdichten der Aussenzeltnähte mit Nahtdichter) oder aussen mit Silikon und auf der Innenseite mit Polyurethan (dann lässt sich die Naht bei der Produktion mit Nahtband abkleben).

POLYESTER
Polyester ist zwar etwas schwerer als Nylon, aber immer noch sehr leicht (70 - 80 g/m²). Qualitativ hochwertiges Polyester hat eine hohe Reiss- und Scheuerfestigkeit, dehnt sich bei Nässe kaum, verrottet nicht und ist sehr beständig gegenüber UV-Strahlung. Bei starkem Wind sind Polyesterzelte aber lauter als Nylonzelte. Meistens wird auch Polyester mit Polyurethan beschichtet, um den Stoff noch unempfindlicher zu machen.

ZUSATZARTIKEL

AUSWÄHLEN IM LADEN
Wenn immer möglich, empfiehlt es sich, das Zelt im Laden aufzustellen. Somit macht man sich gleich mit dem Handling vertraut und spürt, ob man sich mit dem Zelt und vor allem innerhalb des Zeltes wohlfühlt.
Abspannmöglichkeiten: Hat das Zelt genügend Abspannleinen, um es bei Wind und Sturm ausreichend zu sichern? Sind diese Abspannpunkte an den richtigen Stellen angebracht?
Belüftungsmöglichkeiten: Lässt sich das Zelt ausreichend belüften? Um der Bildung von Kondenswasser auf der Innenseite des Aussenzeltes einigermassen Herr zu werden, ist eine gut funktionierende Durchlüftung mit mehreren Ventilationsöffnungen sehr wichtig. Damit die aufsteigende, feuchte Luft entweichen kann, sollte mindestens eine dieser Öffnungen im oberen Bereich des Zeltes angebracht sein.
Raum: Bietet das Zelt genügend Platz, um alles Gepäck sicher und geschützt zu verstauen? Falls man dazu gezwungen ist, auch einmal im Zelt zu kochen, ist eine grosse Apside Pflicht!
Länge des Innenzeltes: Ist das Zelt genügend lang, um darin auch mit einem dicken Schlafsack zu nächtigen, ohne diesen an die Zeltwand zu drücken?

PFLEGE
GEBRAUCH
Beim Aufstellen des Zeltes sollten möglichst keine spitzen Steine, Äste, Disteln u. ä. unter dem Zeltboden liegen. Ein Footprint schont den Zeltboden. Zelte sollten möglichst wenig direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, denn mit der Zeit schwächt die UV-Strahlung den Zeltstoff. Das Zelt wenn immer möglich in aufgestelltem Zustand gut trocknen lassen, bevor es verpackt wird.
WASCHEN/IMPRÄGNIEREN/ABDICHTEN
Flecken mit lauwarmem Wasser oder milder Seifenlauge vorsichtig abwischen. Keine chemischen Reinigungsmittel verwenden. Selbst Insektenspray beschädigt die Beschichtung. Das Zelt darf niemals in der Waschmaschine gewaschen werden. Um den Abperleffekt zu erhöhen, können Zelte bei Bedarf imprägniert werden (z.B. mit Nikwax Tent & Gear Solarproof). Bei Bedarf können die Nähte am Aussenzelt und am Zeltboden, die nicht abgetaped sind, mit einem Nahtdichter abgedichtet werden (z.B. mit McNett Silnet).
REISSVERSCHLÜSSE
Die Reissverschlüsse sollten stets vorsichtig ohne viel Krafteinsatz bedient werden. Von Zeit zu Zeit empfiehlt es sich, sie mit einer Zahnbürste zu säubern und geg. behandeln (Silikonöl oder Seife).
REPARATUREN
Kleine Löcher und Risse können mit selbstklebendem Ripstop-Nylon Reparatur-Tape abgedeckt werden. Zur dauerhaften Reparatur muss der Flick allerdings zusätzlich angenäht werden.
LAGERUNG
Das Zelt sollte an einem trockenen, lichtgeschützten Ort gelagert werden und erst verpackt werden, wenn es vollständig abgetrocknet ist (um Schimmel und Geruchsbildung zu verhindern). Eine Komprimierung des Zeltes sollte vermieden werden.

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