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Lebensrettende Plättchen

Fabian Reichle, 19.10.2020

Kennt ihr dieses kleine, eingenähte Plättchen in eurer Winterausrüstung? Falls nicht, dann schaut genauer hin, höchstwahrscheinlich findet ihr irgendwo an eurer Jacke oder Hose eine kleine Erhebung, beschriftet mit «Recco». Dahinter verbirgt sich ein kleiner Reflektor – wir zeigen euch, was es damit auf sich hat.

Alles fängt mit einer tragischen Geschichte an: Der Schwede Magnus Grandheld verliert 1973 bei einem Lawinenunglück einen Freund. Hunde und Sondierung dauern zu lange, er setzt sich zum Ziel, eine schnellere Suchmethode zu entwickeln. Die Idee der Recco-Technologie ist geboren.

Grandhelds Idee ist so simpel wie genial. Bergsportler sollen einen Reflektor auf sich tragen, Suchende können mit einem Detektor Lawinenverschüttete und Vermisste orten. 1983 wird das erste System eingeführt, die Firma Recco ist geboren.


Ergänzung statt Konkurrenz

Der Gedanke, mit elektronischen Hilfsmitteln Lawinenverschüttete aufzuspüren, war damals kein neuer. Bereits 1974 kam mit dem Barryvox von Mammut das erste LVS auf den Markt. Hier kommt ein wichtiger Punkt ins Spiel. Das Recco-System ist gegenüber einem LVS primitiv und die Detektoren sind ausschliesslich im Besitz von offiziellen Bergrettern. Warum soll eine bereits damals überholte Technologie, die nur von Profis genutzt werden kann, Sicherheit bieten? Die Frage hört man immer wieder, Unkenrufe gegenüber Recco sind nicht selten. Zu Unrecht, denn das System hat durchaus seine Vorteile.


Vorneweg muss verstanden werden, dass Recco nie als Ersatz oder gar Konkurrent zum LVS entwickelt wurde. Die Vision dahinter war stets, eine ergänzende Technologie anzubieten, die zusammen mit der gängigen Lawinenausrüstung einen weiteren Sicherheitsfaktor mit sich bringt. Doch nicht nur das Quasi-Anhängsel zum Standardequipment steht bei Recco im Vordergrund. Es gibt nämlich einige triftige Gründe, die kleinen Reflektoren mit sich zu führen.


Simpel – Sommer wie Winter

Ein Vorteil liegt in der Schlichtheit von Recco. Der Reflektor ist nicht grösser als ein Pflaster, wiegt nur wenige Gramm und braucht keine Batterien. Er muss also nicht angeschaltet werden, verliert nie an Signalstärke und benötigt keine Wartung. Da er zudem in der persönlichen Ausrüstung fest integriert ist, kann er unmöglich vergessen werden und die Chance, ihn bei einem Unfall zu verlieren ist verschwindend klein. Die Reflektoren sind übrigens auch separat erhältlich und können an Rucksack, Helm oder Gurt angebracht werden. Wer also Kleidung ohne integrierten Reflektor besitzt, kann sich in unserem Onlineshop aufrüsten.

Ein weiterer Faktor ist der Suchradius. Moderne Recco-Detektoren werden unter anderem an Helikoptern montiert. Das erlaubt einen immensen Suchkegel, der schnell abgeflogen werden kann. Gerade in alpinen Regionen, die zu Fuss schwer zugänglich sind, ist das ein Vorteil. Wobei wir beim eigentlichen Einsatzgrund angelangt wären: Dem Unfall selbst.


Ein LVS kann Leben retten. Was jedoch, wenn Verschüttete und Suchende kein LVS auf sich tragen? Wir reden hierbei nicht von bewussten Tourengängern, sondern von Opfern, die anderweitig in Lawinen geraten. Das kann sogar auf präparieren Pisten passieren, wie es in den letzten Jahren leider mehrfach vorkam. In solchen Fällen ist Recco das einzige Werkzeug, um aufspürbar zu sein.

Andere Jahreszeiten bergen ebenfalls Gefahren. Die meisten Unfälle in den Bergen passieren in den Sommermonaten – auch hier kann es entscheidend sein, in unübersichtlichem Gelände schnell gefunden zu werden.

Die Gründe sind einleuchtend, Recco ist weder eine überholte Technologie noch ein unnützes System. Es macht Sinn, beim Kauf von Bergsport-Ausrüstung auf das kleine Plättchen zu achten, denn es kann Leben retten.

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