Was ist eine Reepschnur? Aufbau und Material
Kurzum: Eine Reepschnur ist ein Seil mit geringem Durchmesser von 4 bis 8 Millimeter. Der Aufbau entspricht demjenigen eines Kletterseils, sprich, ein Kern wird von einem Mantel umgeben – der grosse Unterschied ist jedoch das Materialverhältnis dieser beiden Elemente. Der Seilmantel dient bei der Reepschnur nicht nur zum Kernschutz, sondern trägt zur Bruchkraft bei.
Das macht die dünnen Seile für statische Belastungen äusserst solide und reissfest – für dynamische Stürze sind sie jedoch absolut nicht geeignet!
Hightech-Fasern und strenge Sicherheitsnormen
Auch wenn die Schnüre simpel aussehen mögen, in ihnen steckt jede Menge Hightech. Sie werden aus extrem robusten Kunstfasern hergestellt. Hierbei kommen beispielsweise folgende Materialien zum Einsatz:
- Nylon (Polyamid): Der Klassiker, robust und elastischer als andere Kunstfasern.
- Kevlar (Aramid): Extrem hohe Bruchlast und sehr schnittfest, dafür empfindlicher bei engen Biegeradien.
- Dyneema (Polyethylen): Unglaublich leicht und reissfest, besitzt jedoch eine glatte Oberfläche und einen niedrigen Schmelzpunkt.
Die verschiedenen Grundmaterialien haben alle leicht unterschiedliche Eigenschaften in Bezug auf Reissfestigkeit, Oberflächenbeschaffenheit oder UV-Resistenz. In jedem Fall werden Reepschnüre streng genormt und müssen höchste Sicherheitsstandards erfüllen. Konkret sind das die EU-Norm EN 564 und der Safety Standard UIAA-102. Dabei wird die Mindest-Bruchlast je nach Seildurchmesser exakt definiert.
Einsatzbereiche: Welcher Durchmesser für welchen Zweck?
Die Reepschnur ist ein echter Allrounder im Bergsport. Ob für den Standplatzbau, als Prusikschlinge für den Aufstieg, zur Eigensicherung während dem Abseilen, als Trittschlinge für die Spaltenrettung, für den Flaschenzug oder ganz banal als Wäscheleine im Basecamp: Sie ist ein praktischer Begleiter für fast alles, was rein statisch belastet wird.
Je nach Einsatzzweck spielen die Länge und vor allem der richtige Durchmesser eine entscheidende Rolle. Folgende Richtwerte gilt es zu beachten:
- 5 bis 6 Millimeter Durchmesser: Zusatz- und Zwischensicherungen wie Prusikschlingen, Flaschenzüge oder Sanduhren
- 8 Millimeter Durchmesser: Standplatzbau
- Schnüre unter 5 Millimeter sollten ausschliesslich für den Materialtransport verwendet werden
Wie viele Reepschnüre gehören in den Rucksack?
Was die optimale Länge und Anzahl von Reepschnüren auf Hochtouren betrifft, scheiden sich in der Alpinszene die Geister. Ein bewährtes Setup, mit dem du sehr gut aufgestellt bist, sieht wie folgt aus:
- Zwei Reepschnüre mit je 4 Metern Länge und 6 mm Durchmesser.
- Eine zusätzliche Schnur mit ca. 1,5 Metern Länge (etwas dünner), die als Backup immer im Rucksack Platz findet.
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