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Kletterführer: 4 alpine Klettertouren für jeden Geschmack

Bächli Bergsport, Freitag, 23. Juni 2023

Zum Sommerauftakt sind verschiedene neue Kletterführer erschienen, unter anderem «Alpine Klettertouren Band 1», eine handerlesene Selektion von 81 alpinen Klettertouren in der Westschweiz. Co-Autor Daniel Silbernagel hat für euch vier Touren zusammengestellt: Vom Übungsgrat, über die Genusstour und den einsamen Geheimtipp, bis zum Klassiker.

Auf der Suche nach Erlebnissen und Abenteuern im alpinen Gelände, haben sich Daniel und Michel Silbernagel aufgemacht, um über Felsgrate, Pfeiler und Rippen klassische, aber auch wenig bekannte Tourenziele zu erkunden. Entstanden ist der Kletterführer «Alpine Klettertouren Band 1», ein Auswahlführer, der 81 Touren in den Gebieten Jura, Freiburger- und Waadtländer Alpen, im Chablais und Unterwallis näher vorstellt.

«Kreuz und quer, über Wanderwege, wegloses Schrofengelände und steile Grashänge, bombenfesten Mont-Blanc Granit, scharfkantigen Kalk, aber auch Passagen in bröckligem Felsen führen diese alpinen Klettertouren.» Daniel Silbernagel, topoverlag.ch

Die vorgestellten Klettertouren sind so vielfältig wie ihre Umgebung. Daniel Silbernagel hat für euch aus dieser breiten Palette vier alpine Klettereien herausgepickt, die mit ihrem jeweils ganz eigenen Charakter auftrumpfen können:

  1. Der perfekte Übungsgrat: Holzfluh Westgrat
  2. Die absolute Genusstour: La Dyure – Éperon du Dard
  3. Der einsame Geheimtipp: Aiguilles de Darbon – Ost-West-Überschreitung
  4. Der lohnende Klassiker: Balmflue Südgrat

Viele der Touren können als Tagestour direkt vom Tal aus unternommen werden. In der Regel kann auf Steigeisen und Pickel verzichtet werden. Die Klettereien im Kalk, Granit oder Gneis lassen sich meist mit leichter Ausrüstung und in Berg- oder Zustiegsschuhen erleben. Die Palette der Absicherung reicht von gebohrten Routen bis zu solchen, die mehrheitlich selbst abgesichert werden müssen.

Übersicht der enthaltenen Gebiete in Alpine Klettertouren Band 1

1. Der perfekte Übungsgrat: Holzfluh Westgrat

Die Holzfluh oberhalb von Balsthal ist ein beliebter Aussichtspunkt im Solothurner Jura. Kein Wunder säumen mehrere Sitzbänke die Krete mit Tiefblick auf die Dächer von Balsthal. Unweit des Gipfels liegt die Holzfluh-Hütte mit einer Aussichtsplattform.

Unter Kletternden ist vor allem das Gebiet Brückenwand mit steilen und technisch anspruchsvollen Routen beliebt. Der 400 Meter lange Westgrat ist ein Klassiker, welcher schon lange geklettert wird. Die Kletterei bietet ein paar Seillängen über kurze Aufschwünge und kleine Felszacken über einen im Wald versteckten Grat.

Der Westgrat auf die 734 Meter hohe Holzfluh ist ein kurzes Grätchen oberhalb von Balsthal, welches sich perfekt zum Üben eignet. Bild: Topo.Verlag

Details zur Tour

  • Tal-Ort / Ausgangspunkt: Balsthal, Bahnhof (489 m) oder Bushaltestellen Balsthal, Brauerei oder Balsthal, Zentrum
  • Absicherung: Gut mit Bohrhaken
  • Fels: Kalk, meist fest
  • Ideale Jahreszeit: Ganzjährig sofern kein Schnee liegt. Beste Zeit Frühling und Herbst
  • Ausrüstung: 25 m-Einfachseil, 8 Expressen, 1–2 Schlingen, (Camalots zum üben)
  • Tipp: Klettertour für einen lauen Sommerabend mit anschliessendem bräteln auf dem Gipfel.


2. Die absolute Genusstour: La Dyure – Éperon du Dard

Der Éperon du Dard (Sporn des Stachels) liegt etwas versteckt im Wald oberhalb der kleinen Verbindungsstrasse zwischen Les Valettes (Bovernier) und Champex Lac. Die Kletterei über 11 Seillängen in meist griffigem, bestem Gneis ist kurzweilig.

Neben Platten finden sich Verschneidungen, Schuppen, Risse und viele gute kleine Stufen. Dicht daneben schmücken knorrige Bäume und farbige Blumen die Genusskletterei. Gämsen klettern über den Grat, und aufgepasst, auch Aspisviper-Giftschlangen sonnen sich an den warmen Felsen.

Blick von oben in eine Umgebung, die stark an die Südalpen erinnert. Bild: Topo.Verlag

Der Duft der Natur der sonnenverwöhnten Gegend erinnert stark an die Südalpen, der Lac de Champex neben der gleichnamigen Ortschaft mit all seinen Nadelbäumen an Kanada.

Einzig beim Abstieg über einen kleinen Pfad, gut markiert mit Steinmännern und ein paar kurzen Kraxelstellen sollten die zuvor noch Kletternden nicht träumen, denn an einigen Stellen ist Stolpern keine gute Idee. Gutes Schuhwerk und konzentriertes Heruntersteigen hilft dabei, den Wanderweg in der kleinen Schlucht Gure sicher und ohne auszugleiten zu erreichen.

Beim Rückweg nach Champex Lac kann unterwegs im kleinen Weiler Champex d’en Haut bei der Gîte Bon Abri der Durst gelöscht und später im See mit einem Schwumm die Blutzirkulation angekurbelt werden.

Der Éperon du Dard trumpft mit meist griffigem, bestem Gneis auf. Bild: Topo. Verlag

Details zur Tour

  • Talort / Ausgangspunkt: Col de Champex, télésiège (1497 m), Bushaltestelle oder P. s. Karte
  • Absicherung: Gut mit Bohrhaken, teilweise etwas weitere Abstände. Mit Schlingen und Camalots kann zusätzlich ergänzt werden.
  • Fels: Granit, fest, im oberen Teil hat es zwischendurch lose Felsen.
  • Ideale Jahreszeit: Frühsommer und Herbst. Im Sommer kann es recht heiss werden.
  • Ausrüstung: 50 m-Einfachseil, 10 Expressen, (2–3 Schlingen), (2–3 Camalots # 0.4-1.0)
  • Hinweis: Die Route ist nicht zum Abseilen eingerichtet.
  • Erstbegehung: Joseph Morelli & Olivier Roduit, 2007


3. Der einsame Geheimtipp: Aiguilles de Darbon – Ost-West-Überschreitung

Bereits im Zustieg findet man nur wenige Spuren, und wenn, dann führt ein kleiner Pfad unter der Nordwand zum Pas de Darbon, wo sich der Einstieg befindet. Hier beginnt die Gratüberschreitung von Ost nach West über die Aiguilles de Darbon.

Eine lohnenswerte Überschreitung in einsamer Umgebung: Aiguilles de Darbon. Bild: Topo.Verlag

Die Felsen scheinen auf den ersten Blick steil und wenig griffig für ein angebliches 3c. Zum Glück stellt sich dieser Eindruck als positiver Irrtum heraus. Die Risse und Felsen sind gut strukturiert, so dass das Klettern und selbst Absichern doch gut gelingt.

Denn die anzutreffenden Schlaghaken sind teils wenig vertrauenserweckend. Auch die wenigen, alten Bohrhaken werden lieber noch mit Schlingen und Camalots ergänzt. Nach den ersten drei Seillängen folgt leichteres Gelände mit ein paar Kletterstellen im Auf- und Abstieg zum Hauptgipfel. Zwei Abseilstellen leiten zurück an den Wandfuss.

Der Schein trügt: Der Fels ist gut strukturiert und eignet sich zum selber absichern. Bild: Topo.Verlag

Details zur Tour

  • Talort / Ausgangspunkt: Bernex (1022m) / Le Fétiuère P (1206 m) s. Karte oder Refuge d‘Oche auf dem SW-Grat Dent d’Oche
  • Absicherung: Ältere Bohr- und Schlaghaken, dazu muss selbst abgesichert werden.
  • Fels: Kalk, mehrheitlich fest
  • Ideale Jahreszeit: Sommer bis Herbst
  • Ausrüstung: 30 m-Einfachseil & 30 m-Rapline, 5–6 Expressen, 3–4 Schlingen, 4–5 Camalots # 0.3–3.0
  • Hinweis: Da der Fels oft von Graspolstern als Tritte ergänzt wird, sollte die Tour nur bei trockenen Verhältnissen unternommen werden.
  • Erstbegehung: G., R. und A. Neplaz, M. und P. Barone, M. Gavard, Oktober 1938


4. Der lohnende Klassiker: Balmflue Südgrat

Der Südgrat an der Balmflue ist ein Klassiker und eine der längeren Jura-Klettertouren, Holzkeile hat es keine mehr. Kein Wunder hat dies an den Kalkfelsen Spuren hinterlassen. Die Route folgt nicht immer der natürlichen, logischen Linie, sondern sucht die besten Kletterstellen und wird dadurch etwas inhomogen.

Sowohl der Zustieg als auch die Route sind durchgehend mit grüner Farbe (Punkte, Striche, Pfeile) markiert und durchwegs mit Bohrhaken ausgerüstet. Wo die Hakenabstände etwas weiter sind, kann zusätzlich mit Camalots und Schlingen abgesichert werden. Die Schlüsselstelle besteht darin, einen Tag zu erwischen, an dem wenig los ist und das Wetter trotzdem passt.

Ein lohnender Klassiker mit Ausblick: Balmflue Südgrat. Bild: Topo.Verlag

Obwohl bereits etwas abgegriffen, ist der Südgrat eine lohnende Klettertour über dem Mittelland mit prächtigem Blick zu den Alpen. Auf dem Gipfel des Balmfluechöpfli angekommen, weitet sich der Blick bis zum Mont Blanc oder zum Tödi. Formschön schlängelt sich im Talboden die Aare durch das Mittelland.

Am Gipfelgrat stehen knorrige Bäume mit lauschigen Feuerstellen zu ihren Füssen. Insgesamt ein rundes Erlebnis und eine ideale Klettertour, um für die kommende Klettersaison warmzuwerden.

Die Szenerie, Gehpassagen zwischen den Seillängen und ab und zu mal ein loser Stein verleihen der Mehrseillängenroute durchaus eine alpine Note. Bild: Topo.Verlag

Details zur Tour

  • Talort / Ausgangspunkt: Balm b. Günsberg, Dorf (655 m)
  • Absicherung: Durchgehend und an den schweren Stellen sehr gut mit Bohrhaken. Schlingen und Camalots können zusätzlich platziert werden.
  • Fels: Kalk, mehrheitlich fest
  • Ideale Jahreszeit: Ganzjährig sofern kein Schnee liegt. Beste Zeit Frühling und Herbst
  • Ausrüstung: 45–50 m-Einfachseil, 10–12 Expressen, 1–2 Schlingen, (evtl. Camalots # 0.5–1.0), evtl. Kletterfinken


Fazit

Das Buch Alpine Klettertouren schliesst die Lücke zwischen Plaisir-Mehrseillängen-Klettereien und Hochtouren. Es stellt 81 alpine Klettertouren in der Schweiz und der nahen Grenzregion im unteren und mittleren Schwierigkeitsgrad vor. Band 1 umfasst die Regionen Jura, Chablais, Freiburg/Waadt und Unterwallis.

«Wer ausnahmslos perfekten Fels mit kurzen Zustiegen sucht, der hat bei diesem Kletterführer wohl daneben gegriffen. Wer hingegen gerne in alpinen Landschaften, weiten Tälern, gewaltigen Bergkulissen und auf abwechslungsreichen Felsgraten unterwegs ist, dem ist die Wahl aus dem Bücherregal geglückt.» Daniel Silbernagel, topoverlag.ch

In den Landeskartenausschnitten von Swisstopo im Massstab 1:25 000 ist der Routenverlauf sowie Zu- und Abstieg sämtlicher Touren eingezeichnet und mit weiteren Informationen ergänzt. Detaillierte Topos und Bilder zeigen den Routenverlauf.


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