Skifahren ist nicht gleich Skifahren. Was früher einfach zwei gerade Latten an den Füssen waren, ist längst viel komplexer geworden, mit speziellen Modellen für Skibergsteigen, Freeriden und Co. Unterschiedliche Vorlieben beim Skifahren machen es nicht leicht, den richtigen Ski zu wählen, angefangen bei der Länge des Skis. Wir werden versuchen, dir eine kleine Orientierungshilfe zu geben.
Um die Komplexität ein wenig zu entwirren: Es gibt eine Faustregel für die Skilänge. Wenn deine Skier zwischen Kinn und Stirn enden, bist du schon auf dem richtigen Weg – aber nur bedingt. Ausserdem gibt es einen weiteren entscheidenden Punkt. Wenn du deine Skier nicht griffbereit hast, musst du dich auf die Längenangaben des Herstellers verlassen. Die meisten Marken bieten auf ihren Websites Empfehlungen und Längentabellen an.
Mit einer groben Einschätzung der Länge kannst du deine Wahl eingrenzen – meist sind noch zwei oder drei Längen im Rennen. Wie gesagt, das ist keineswegs der entscheidende Faktor, denn die Höhe allein reicht nicht aus. Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Denken Sie über die folgenden Aspekte nach. Je mehr du über die einzelnen Punkte nachdenkst, desto genauer wird deine Entscheidung ausfallen.
Einsatzgebiet
Wie eingangs erwähnt, überlege dir zunächst, wie du dich am Berg aufhalten wirst oder willst. Wir beschränken uns natürlich auf den Bergsport abseits der Piste – diese Skitypen würden das Spektrum noch erweitern. Im Grunde sind das Tourenski, Freeride-, Freetouring-, All-Mountain- und Rennski. Auch hier gilt: Wer bergauf orientiert ist, wählt kürzere Skier, abfahrtsorientierte Skifahrer wählen längere Modelle. Die Längen unterscheiden sich wie folgt:
- Tourenski: eher kurz, Körpergrösse minus 5–15 Zentimeter. Das reduziert zum einen das Gewicht, was Steig- und Tragepassagen zugute kommt, zum anderen bringt es technische Vorteile mit sich, etwa eine leichtere Bewältigung von Spitzkehren.
- Freeride-Ski: ausgesprochen lang, fünf bis 15 Zentimeter darüber. Beim Pflügen durch den Tiefschnee bieten längere Skier eine grössere Auflagefläche und damit mehr Auftrieb. Ausserdem sind die Skier auf unebenem Terrain viel geschmeidiger.
- Freestyle- und All-Mountain-Ski: unterschiedliche Längen. Wie der Name schon sagt, vereinen diese Skitypen das Beste aus beiden Welten. In diesem Fall musst du einen Kompromiss eingehen und das Gelände berücksichtigen, auf dem du die meiste Zeit fahren wirst. Wenn du mehr an Touren interessiert bist, solltest du dich für kürzere Skier entscheiden; wenn du Wert auf Tiefschneeabfahrten legst, solltest du ein längeres Modell wählen.
- Wettkampfskier: Wenn du an Wettkämpfen teilnimmst, wird die Mindestlänge der Skier durch die Vorschriften des Veranstalters bestimmt. Längere Modelle sind in der Regel nicht vorteilhaft.

Geometrie
Nächstes Thema ist die Konstruktion des Skis. Neben Mischformen steht vor allem der Camber (negativer Vorspann) oder Rocker (positiver Vorspann) im Vordergrund. Letztere sind aufgrund ihrer zentralen Auflagefläche drehfreudiger, verspielter und letztlich fehlerverzeihender. Das bedeutet, dass Rocker-Ski in der Regel auf längeren Skiern leichter zu fahren sind.
Aber, wie bereits erwähnt, gibt es verschiedene Hybrid-Konstruktionen wie Rocker an der Spitze oder am Ende, so dass eine generelle Aussage zur Längenwahl nur bedingt möglich ist. Um aber noch einmal auf den einsteigerfreundlichen Rocker zurückzukommen: Dein individuelles Fahrniveau und dein Fahrstil beeinflussen die Länge deines Skis.
Skifahrerisches Können und Fahrstil
Kurz und präzise: Als Anfänger solltest du dich idealerweise für einen kürzeren Ski entscheiden, erfahrene Skifahrer und Profis für einen längeren. Lange Skier erfordern mehr Kontrolle, sind aber auch direkter, haben einen besseren Kantenhalt und sind geschmeidiger, wodurch sie höhere Geschwindigkeiten erreichen. Kürzere Skier hingegen sind nachsichtiger und verspielter. Vorsicht vor zu kurzen Skiern: Sie haben zwar einen sehr geringen Drehwiderstand, erfordern aber eine neutrale Körperhaltung nach vorne und hinten, um nicht plötzlich umzukippen. Das macht die vermeintlich kurzen Anfängerski logischerweise schwierig zu fahren.
Was fehlt, ist die Frage, wie man sich am liebsten bewegt. Die Schwungtechnik ist hier besonders wichtig. Wenn Carven mit langen, tiefen Radien deine Spezialität ist, sind kürzere Skier von Vorteil; wenn kurze Schwünge deine Welt sind, geben längere Skier dir letztlich mehr Kantenhalt. Kleine Randbemerkung: Neben der Länge spielt hier auch die Taillierung des Skis eine Rolle. Je stärker die Taillierung, desto enger die Schwünge.

Gewicht
Auch wenn das Körpergewicht bei der Wahl der Skilänge nicht ausschlaggebend ist, so ist es doch ein Faktor, der nicht unterschätzt werden sollte. Grosse Skifahrer mit einem kraftvollen Fahrstil werden mit längeren Modellen mehr Stabilität erfahren und von einem grösseren Auftrieb im Tiefschnee profitieren. Während kleine und leichte Menschen von der Wendigkeit eines kürzeren Skis profitieren.
Fazit
Die sture Regel, die richtige Skilänge in erster Linie anhand des Körperbaus zu finden, ist überholt. Sie ist ein grobes Hilfsmittel und ein Leitfaden; was zählt, ist, wie man Ski fährt, nicht wer Ski fährt. Das bedeutet, dass die Disziplin, das Gelände, das skifahrerische Können und so weiter eine viel wichtigere Rolle spielen, wenn es darum geht, ob ein Ski eher lang oder eher kurz sein sollte.
Ausserdem ist die Länge eine Sache. Auch die anderen Eigenschaften eines Skis: die Breite der Taillierung oder des Kerns, oder das Gewicht des Materials – hier machen Holz, Carbon, Fiberglas und so weiter einen Unterschied – spielen eine Rolle für den Erfolg der Tage am Berg.
Eine Übersicht über unsere aktuellen Skimodelle der Saison findest du in unserem Ski-Sortiment.