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Zelte

Auf Expeditionen und Bergtouren, beim Trekking oder auf Reisen stehen Zelte wie kein anderer Ausrüstungsgegenstand für Unabhängigkeit und Abenteuer! Damit man die Übernachtung im Zelt auch geniessen, sich erholen und ruhig schlafen kann, ist es wichtig, mit einem Zelt unterwegs zu sein, das den gesetzten Ansprüchen gerecht wird und das zuverlässig vor Regen, Wind, Sturm, Schnee oder auch Insekten schützen kann und den Launen der Natur standhält.

Zeltformen

Legende: 1. Geodätisches Zelt, 2. Kuppelzelt, 3. Tunnelzelt

GEODÄTISCHE ZELTE

Ist die Anzahl der Kreuzungspunkte grösser als die Anzahl der für die Kuppel eingesetzten Stangen, spricht man von einer geodätischen Konstruktion (der theoretisch perfekte Geodät wäre die Annäherung an eine Halbkugel). Diese Extremvariante der Kuppelzelte ist äussert stabil und eignet sich daher für sturmanfällige Regionen und den Expeditionsgebrauch.

  • Maximaler Schutz gegen Wind und Stürme 
  • Hält auch grösseren Schneelasten stand 
  • Wirklich freistehend 
  • Grosser Innenraum 
  • Ziemlich schwer (grosse Anzahl an Stangen) 
  • Eher schwer aufzubauen

KUPPELZELTE

Eigentliche Kuppelzelte bestehen aus mindestens zwei gleich langen Gestängebögen, die sich oben in der Mitte kreuzen. Da die Gestängebögen unter Spannung stehen, lässt sich dieser Zelttyp auch ohne Heringe und Abspannleinen aufstellen, d.h. er ist praktisch freistehend. Die Beschaffenheit des Untergrunds spielt daher bei der Platzwahl nur eine untergeordnete Rolle, ein Kuppelzelt lässt sich grundsätzlich auch auf einer Felsplatte aufstellen.

  • Freistehend 
  • Schneller Aufbau möglich 
  • Windstabil, gegen alle Seiten gleichmässig 
  • Relativ grosser Innenraum 
  • Eher kleine Apsiden 
  • Eher schwer

 

TUNNELZELTE

Tunnelzelte bestehen aus mindestens zwei (theoretisch unendlich vielen) hintereinander gereihten Gestänge­ bögen, die vorne und hinten mit mindestens je einer Abspannleine aufgerichtet und fixiert werden müssen. Da sie nicht freistehend sind, ist eine zweckmässige Platzwahl wichtig. Im alpinen Gelände sind Tunnelzelte daher etwas im Nachteil. Tunnelzelte bieten aber von allen Zelttypen die beste Raumausnutzung, da die Gestängebögen in Bodennähe fast senkrecht verlaufen und man auch nahe an der Zeltwand aufrecht sitzen kann.

  • Schnell aufzubauen, auch bei starkem Wind 
  • Gutes Raum-/ Gewichtsverhältnis 
  • Bei optimaler Abspannung sehr stabil 
  • Grosse Apsiden möglich 
  • Nicht freistehend 
  • Längsseite bietet dem Wind viel Angriffsfläche

 

Mischformen

Um die Vorteile verschiedener Zelttypen zu vereinen, tüfteln Zeltbauer vermehrt an Mischformen herum. Dabei geht es vor allem darum, leichte Zelte zu bauen, die möglichst stabil und wetterfest sind und sich dabei schnell und einfach aufbauen lassen. Verwirklichen lassen sich diese Ideen durch den Einsatz von leichteren Material­komponenten (dünnere Stoffe, kleinere Gestängedurchmesser, leichteres Gestängematerial) und oftmals auch durch die Verwendung von X- oder Y-Gestänge (Gestängebögen mit Gabelung). Die Kehrseite solcher Entwicklungen ist eine geringere Lebensdauer der Zelte oder auch die verminderte Stabilität.

Einige dieser Kreationen haben sich bereits zu Klassikern entwickelt, so zum Beispiel die Giebeltunnelzelte von Exped (Venus, Orion) oder die Hubba-Zeltfamilie von MSR.

Zeltkauf

Was man beachten sollte

Einsatzgebiet

Es gibt kein Zelt, das alles kann! Deshalb sollte man sich vor dem Zeltkauf die Frage stellen: Wofür brauche ich das Zelt hauptsächlich?

  • Muss man das Zelt selbst im Rucksack tragen, sollte das Hauptaugenmerk auf dem Gewicht und dem Packmass des Zeltes liegen. Maximal 2 kg Zeltgewicht pro Person ist die Obergrenze, wenn man mit dem Zelt zu Fuss unterwegs ist. 
  • Ist man längere Zeit in niederschlagsreichen Regionen unterwegs und muss unter Umständen auch mal einen ganzen Tag im Zelt ausharren, empfiehlt sich ein Zelt mit grosszügigen Platzverhältnissen, einer geräumigen Apside und guten Belüftungsmöglichkeiten. 
  • Plant man eine Expedition oder ist in rauen, stürmischen Verhältnissen unterwegs und muss mit andauerndem Schneefall rechnen, kommt man kaum um ein wirklich sturmfestes, meist geodätisches Expeditionszelt herum. 
  • Biwakiert man vorzugsweise in warmen, trockenen Sommernächten lohnt sich ein Zelt, bei dem man nur das Innenzelt (ohne Aussenzelt) als Insektenschutz aufstellen kann ("amerikanische" Bauweise).

 

Materialien

Beim Bau von Leichtgewichtszelten werden nur noch zwei Materialien eingesetzt: Nylon oder Polyester.

  • Nylon ist sehr leicht (60 - 70 g/m²), hat eine hohe Reiss- und Abriebfestigkeit und verrottet auch in feuchtem Zustand nicht so schnell. Im nassen Zustand hat das Material die Eigenschaft, sich zu dehnen, weshalb Nylonzelte regelmässig nachgespannt werden sollten. Um der hohen UV-Empfindlichkeit entgegenzuwirken, werden hochwertige Nylonzelte entweder beidseitig mit Silikon beschichtet (erfordert ein Abdichten der Aussenzeltnähte mit Nahtdichter) oder aussen mit Silikon und auf der Innenseite mit Polyurethan (dann lässt sich die Naht bei der Produktion mit Nahtband abkleben). 
  • Polyester ist zwar etwas schwerer als Nylon, aber immer noch sehr leicht (70 - 80 g/m²). Qualitativ hoch­ wertiges Polyester hat eine hohe Reiss- und Scheuerfestigkeit, dehnt sich bei Nässe kaum, verrottet nicht und ist sehr beständig gegenüber UV-Strahlung. Bei starkem Wind sind Polyesterzelte aber lauter als Nylonzelte. Meistens wird auch Polyester mit Polyurethan beschichtet, um den Stoff noch unempfindlicher zu machen.

Auswählen im Laden

  • Wenn immer möglich, empfiehlt es sich, das Zelt im Laden aufzustellen. Somit macht man sich gleich mit dem Handling vertraut und spürt, ob man sich mit dem Zelt und vor allem innerhalb des Zeltes wohlfühlt. 
  • Abspannmöglichkeiten: Hat das Zelt genügend Abspannleinen, um es bei Wind und Sturm ausreichend zu sichern? Sind diese Abspannpunkte an den richtigen Stellen angebracht? 
  • Belüftungsmöglichkeiten: Lässt sich das Zelt ausreichend belüften? Um der Bildung von Kondenswasser auf der Innenseite des Aussenzeltes einigermassen Herr zu werden, ist eine gut funktionierende Durch­lüftung mit mehreren Ventilationsöffnungen sehr wichtig. Damit die aufsteigende, feuchte Luft entweichen kann, sollte mindestens eine dieser Öffnungen im oberen Bereich des Zeltes angebracht sein. 
  • Raum: Bietet das Zelt genügend Platz, um alles Gepäck sicher und geschützt zu verstauen? Falls man dazu gezwungen ist, auch einmal im Zelt zu kochen, ist eine grosse Apside Pflicht! 
  • Länge des Innenzeltes: Ist das Zelt genügend lang, um darin auch mit einem dicken Schlafsack zu nächtigen, ohne diesen an die Zeltwand zu drücken?

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