Die Geschichte der Softshells beginnt in den 1990er-Jahren. Die Idee war, ein Material zu schaffen, das Tragekomfort, Dampfdurchlass und einen gewissen Schutz vor Wind und Nässe vereint, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Damit wollte man eine Lücke zwischen den wasser- und winddichten, aber eher steifen Hardshells und den flexiblen, jedoch winddurchlässigen Fleecestoffen schliessen. Die Philosophie der Pioniere (z. B. Malden Mills, heute Polartec; Schoeller, Arc’teryx und Mammut) war so simpel wie revolutionär: so viel Wetterschutz wie nötig – so viel Atmungsaktivität wie möglich. Heute ist es bei dem grossen Angebot an Isolations-, Hybrid- und sonstigen Jacken gar nicht mehr so leicht, eine klare Definition für Softshells zu formulieren.
Für Daniela Stünzi, Textilexpertin bei Bächli Bergsport, müssen Softshells drei Kriterien erfüllen: Sie sollten windabweisend, flexibel und dennoch robust sein. Mittlerweile gibt es Softshells in einer beeindruckenden Vielfalt. Mit unterschiedlichen Konstruktionen, Materialkombinationen und Ausstattungsvarianten decken sie fast jede Temperaturspanne und jeden Einsatzbereich ab – vom leichten, stark dampfdurchlässigen Modell für schnellen Bergsport bis zur robusten, wetterfesten Variante für anspruchsvolle Touren. Viele moderne Softshells sind inzwischen so vielseitig, dass sie bei günstigen Bedingungen als alleinige Aussenschicht getragen werden können. Damit kommen sie der sprichwörtlichen «eierlegenden Wollmilchsau» bemerkenswert nahe.
Merkmale der Softshell-Jacke: flexibel, leicht, dampfdurchlässig, robust. Einige Modelle haben eine Unterarmbelüftung.
Zur Grenze zwischen Softshell und Hardshell
Softshells werden in der Regel aus Kunstfasern wie Polyamid, Polyester und Elasthan gefertigt, zunehmend aber auch aus Naturfasern wie Merinowolle. Viele Softshells bedienen sich der Vorteile von sogenannten Double-Weave-Geweben. Diese mehrlagigen Textilien entstehen in einem einzigen Webvorgang und bilden eine stabile Einheit. Aussen sorgt eine dicht gewebte Schicht für Abriebfestigkeit, relativ hohe Winddichte und Nässeschutz. Die Innenseite übernimmt, je nach Aufbau, unterschiedliche Funktionen: Glatte, ungefütterte Innenflächen gewährleisten einen hohen Dampfdurchlass; Microfleece, Merinofutter oder gar hochfloriges Synthetikfutter dagegen ein besseres Wärmerückhaltevermögen.
Neben solchen Double-Weave-Konstruktionen existieren tatsächlich auch Softshells mit dreilagigen Laminatkonstruktionen, bestehend aus Aussenmaterial, Membran (mit eher geringeren Dichtigkeiten von etwa 5’000–10’000 mm Wassersäule) und Innenfutter. Auch wenn diese Bauweise dem ursprünglichen Softshell-Prinzip «Komfort durch Balance, nicht Barriere» widerspricht, bietet sie Vorteile, wenn Wetterschutz wichtiger ist als maximaler Dampfdurchlass – etwa beim Winterwandern oder im Alltag. Wer dreilagige Textilien gedanklich dem Hardshell-Sortiment zuordnet, hat grundsätzlich zwar recht. Der Hauptunterschied zwischen Hard- und Softshell ist aber nicht die Existenz einer Membran, sondern die Elastizität des Gewebes. Im Gegensatz zu Hardshells haben Softshells einen beträchtlichen Elasthan-Anteil: Zehn Prozent oder gar mehr sind bei Softshells keine Seltenheit.
Eng verwebt und damit winddicht: Double-Weave-Gewebe unter der Lupe.
Puristen mögen vielleicht nicht damit einverstanden sein – aber auch einige
Hybridjacken kann man zu den Softshells zählen. Ihr Merkmal ist, je nach Körperzone verschiedene Funktionen zu bieten. Meist sind das winddichte, membranverstärkte oder leicht wattierte Bereiche an der empfindlichen Brust und hoch dampfdurchlässige, elastische Einsätze an Rücken, Seiten und Armen. Das Zusammenspiel soll für ein gezieltes Temperatur- und Feuchtigkeitsmanagement sorgen.
«Soft» ist bei den Softshells also nicht nur das Gewebe, sondern auch die Abgrenzung zu anderen Jacken. Kein Wunder also, dass das Spektrum von sehr leichten, dampfdurchlässigen Modellen wie der Ortovox Pala Light Jacket über Hybridkonstruktionen wie die Dynafit Alpine Hybrid Jacket bis hin zu robusten Laminat-Softshells wie der Mammut Ultimate VIII reicht. «Diese Vielfalt zeigt, wie breit die Einsatzmöglichkeiten moderner Softshells geworden sind – von hochsportlich bis alltagstauglich, von minimalistisch bis maximal geschützt», erklärt Daniela Stünzi.
Mit Dreifach-Check zum richtigen Modell
Solch eine grosse Modellvielfalt kann beim Kauf verunsichern. Doch eine erste Orientierung ist einfach – wenn man den Jacken auf den Pelz rückt und sie in die Hand nimmt. «Je glatter die Aussenseite und je dicker die Jacke, desto mehr Wetterschutz und Isolation bietet sie», rät Daniela Stünzi für den «Erstkontakt». Softshells mit Membran sind innen meist glatter und insgesamt etwas steifer. Der zweite Test gibt Auskunft über die Elastizität: Material mit Zwei-Wege-Stretch dehnt sich nur seitlich, Vier-Wege-Stretch auch längs. Ein Unterschied, der gerade bei dynamischen Aktionen, etwa beim Klettern oder Skitourengehen, spürbar ist. Der dritte Check gilt dem Innengewebe: Ein strukturiertes Innenfutter aus Waffelfleece oder hochflorigen Garnen schliesst mehr Luft ein und verbessert so das Wärmerückhaltevermögen.
Wie immer gilt auch bei Softshells: Wer seine Bedürfnisse gut kennt, findet leichter zum passenden Modell. Will ich vorwiegend bei günstiger Witterung, ausserhalb des Winters unterwegs sein? Soll die Softshell auch regelmässig auf Hochtour zum Einsatz kommen? Gehören Klettertouren zum Repertoire, auf denen Felskontakt die Jacke zwangsläufig strapaziert? Wie ist das persönliche Kälteempfinden? Solche und weitere Fragen sollte man sich stellen, wenn man mit dem Kauf einer Softshelljacke liebäugelt.
Nicht zuletzt sind auch die technischen Daten und Ausstattungsmerkmale gute Filtermöglichkeiten auf dem Weg zur perfekten Jacke. Etwa das Packmass: Wenn die Softshell als «Backup» hauptsächlich im Rucksack ihr Dasein fristet, ist ein leichtes, kompaktes Modell ideal. Und wer die Jacke mehrheitlich beim Trailrunning verwendet, kann eher auf minimalistische Modelle ohne viel «Schnickschnack» zurückgreifen.
Für längere Kletter-, Hoch- oder Skitouren sind dagegen verstellbare, helmkompatible Kapuzen, hochgesetzte Taschen, verstärkte Schultern und Unterarmreissverschlüsse sinnvoll. Wer seine Vorlieben in puncto Taschen kennt – ein oder zwei Brusttaschen, Einschub oder Reissverschluss, smartphonetauglich oder schön kompakt –, kann viele Modelle von vornherein aussieben.
Zu guter Letzt trägt zur Funktion von Softshells entscheidend bei, wie sie sich ins Zwiebelprinzip der Bekleidungsschichten einfügen. Wird sie überwiegend als Aussenschicht getragen, sollte der Fokus auf Robustheit und Wetterschutz liegen. Als Midlayer muss sie gut unter eine Hardshell passen – die Materialien sollten sauber übereinandergleiten. Daher lohnt es sich, vorhandene Hardshells beim Kauf mitzunehmen.
Softshells richtig pflegen
Die Leistungsfähigkeit von Softshelljacken hängt wesentlich von der richtigen Pflege ab. Schweiss, Staub und Körperfette beeinträchtigen Wasserdampfdurchlässigkeit und Wasserabweisung – besonders bei Modellen mit Membran.
Vor dem Waschen sollten alle Taschen geleert, Reiss- und Klettverschlüsse geschlossen und die Jacke auf links gedreht werden. Verschmutzungen an Kragen oder Ärmelbündchen lassen sich mit warmem Wasser und mildem Funktionswaschmittel vorbehandeln.
Empfohlen wird eine Wäsche bei 30–40 °C im Schon- oder Wollwaschgang mit flüssigen Fein- oder Funktionswaschmitteln. Pulverwaschmittel und Weichspüler können Membranen und DWR beeinträchtigen und sollten vermieden werden.
Zum Trocknen hängt oder legt man die Softshell an der frischen Luft auf. Direkte Sonne und starke Hitze gilt es zu vermeiden. Der Schongang im Trockner ist meist erlaubt.
Zur Erneuerung der DWR eignen sich PFC-freie Sprays oder Wash-ins. Nach der Behandlung wird die Jacke an der Luft oder bei milder Temperatur im Trockner getrocknet. Soll lediglich die vorhandene DWR reaktiviert werden, genügt ein kurzer Trocknergang oder vorsichtiges Bügeln unter einem Baumwolltuch.
Kaufberatung: Welche Softshell passt zu mir? 3 Fragen, die du dir stellen kannst:
1. Zu welcher Jahreszeit trägst du die Softshell überwiegend?
Sommer ☀️
- Für hochalpine Touren: Allroundsoftshell mit hohem Dampfdurchlass, oder Hybridjacke
- Für tiefere Lagen: leichte, evtl. einlagige Softshell ohne Membran
Frühling/Herbst 🌷🍂
- Softshell aus Double-Weave-Gewebe für hohe Windresistenz
- Innenfutter leicht angeraut (oder Waffelfutter) für mehr Komfort und Isolation
Winter ❄️
- Partiell wärmende Hybridjacke oder isolierte Softshell, optional mit Membran
- Auf Winddichtigkeit achten
2. Für welche Aktivität brauchst du die Jacke?
Skitour/Schneeschuh 🎿
- Hybrid-Aufbau mit dichter Front und dampfdurchlässiger Rückseite
- je nach Intensität mit oder ohne Membran
Wandern/Trekking 🥾
- Double-Weave-Gewebe mit gutem Dampfdurchlass und Stretch, Packmass beachten
- Tipp: Taschenvolumen in der Filiale testen
Klettern/Hochtour 🧗
- Wie für Wandern/Trekking; dazu auf abriebfesten Aussenstoff, helmkompatible Kapuze, besten Stretch und hochgesetzte Taschen (Klettergurt) achten
Trailrunning 🏃
- Ultraleicht, bester Dampfdurchlass, kleines Packmass
- Abstriche bei Robustheit und Isolation eingehen
Alltag 🚶♀️
- Komfortabler, nicht zu enger Schnitt, weicher Griff
- gute wasserabweisende DWR-Behandlung, ggfs. mit Membran
3. Wie intensiv bewegst du dich? (Tempo und Belastung)
🔸Hoch:
- leichte bis mittlere, nicht oder kaum isolierte Softshell
- Double-Weave-Gewebe oder hoch dampfdurchlässige Membran
🔸Mittel:
- Winddichte Hybrid-Softshell mit zonierter Belüftung
- Isolation je nach individuellem Schwitzverhalten und Kälteempfinden
🔸Gemässigt:
- Gut isolierte Softshell mit Membran