1. Sorgfältige Tourenplanung: Die Hüsler-Skala verstehen
Ein Klettersteig ist nur dann sicher und genussvoll, wenn du weisst, was dich erwartet.
Die Klettersteig-Skala (Schweiz / Hüsler-Skala)
In der Schweiz ist die sechsstufige Hüsler-Skala (auch vom SAC verwendet) Standard:
- K1 (Leicht): Meist markierte Wege, sehr gut gesichertes Gelände (z. B. Schreckhornhütte).
- K2 (Mittel): Steileres Felsgelände, Passagen sind bereits aufwendiger gesichert (z. B. Rigidalstock).
- K3 (Ziemlich schwierig): Längere, exponierte Abschnitte im steilen Fels. Erfordert Schwindelfreiheit.
- K4 (Schwer): Sehr ausgesetztes, steiles Gelände mit vertikalen Passagen. Kleine Tritte und Griffe (z. B. Fürenwand).
- K5 (Sehr schwer): Äusserst anspruchsvolles, kraftraubendes Felsgelände (z. B. Jägihorn-Finalvariante).
- K6 (Extrem schwierig): Nur für Profis. Enorme physische und psychische Anforderungen (z. B. Daubenhorn).
Hinweis: In Österreich gilt die Schall-Skala von A (leicht) bis F (extrem). Steigere dich nur langsam und Schritt für Schritt von einer Stufe zur nächsten. Checke vorab Details wie Schlüsselstellen, Rastplätze, Zu- und Abstiege sowie Notausstiege.
2. Wetterbericht prüfen: Gefahr am Stahlseil
Ein gründlicher Wettercheck ist im Bergsport Pflicht. Bei Klettersteigen gilt besondere Vorsicht: Das durchgehende Stahlseil wirkt bei einem Gewitter wie ein massiver Blitzableiter – es besteht akute Lebensgefahr! Zudem verändern Regen, Nässe und Kälte die Verhältnisse dramatisch, da Tritte und Eisenstifte extrem rutschig werden.
3. Die richtige Klettersteig-Ausrüstung
Zur zertifizierten Pflichtausrüstung gehören:
- Klettergurt und ein genormtes Klettersteigset (aktuelle Norm EN 958:2017)
- Kletterhelm (Schutz vor Steinschlag)
- Robuste Bergschuhe mit griffiger Sohle
- Eng anliegende Lederhandschuhe (Schutz vor Blasen und Drahtenden)
- Optional: Eine Bandschlinge mit HMS-Karabiner als zusätzliche Rastschlinge
Prüfe vor dem Kauf oder der Tour ältere Klettersteigsets auf offizielle Rückrufaktionen und lass dich im Zweifelsfall bei Bächli Bergsport beraten. Zur Standardausrüstung gehören zudem immer ein Erste-Hilfe-Set, Wetterschutz und ein Mobiltelefon.
4. Partnercheck vor dem Start
Bevor du den Einstieg begehst, gilt die eiserne Regel des gegenseitigen Kontrollierens mit Augen und Händen:
Ist der Klettergurt richtig verschlossen?
Ist das Klettersteigset korrekt per Ankerstich fixiert?
Sitzt der Helm fest und ist geschlossen?
Wichtig: Steige niemals in einen offiziell gesperrten Klettersteig ein. Die Sperrungen haben immer sicherheitsrelevante Gründe (z. B. Steinschlag oder Seilschäden).
5. Richtiges Verhalten in der Wand
- Die Lebensversicherung: Mindestens ein Karabinerarm des Klettersteigsets bleibt permanent am Stahlseil fixiert. Die Karabiner werden idealerweise entgegengesetzt eingehängt.
- Sicherheitsabstand einhalten: Zwischen zwei fixen Verankerungen (Pfosten) darf sich immer nur eine Person befinden. Stürzt die Vorderperson, bricht der Falldämpfer auf und die Person rutscht bis zur nächsten Verankerung ab – wer zu nah aufläuft, wird unweigerlich mitgerissen.
- Achtung Steinschlag: Setze deine Schritte vorsichtig auf den Fels. Der Helm bleibt während der gesamten Tour auf dem Kopf – auch bei vermeintlich sicheren Rastbändern.
- Überholen: Schnellere Kletterer kündigen sich frühzeitig an. Das Überholen erfolgt nur nach Absprache an sicheren, breiten Passagen.
6. Klettersteige mit Kindern begehen
Das Begehen einer Via Ferrata mit Kindern erfordert maximale Erfahrung. Herkömmliche Klettersteigsets sind laut Norm erst für ein Mindestgewicht von 40 Kilogramm ausgelegt (Maximalgewicht 120 kg). Kinder, die weniger wiegen, lösen den Bandfalldämpfer im Ernstfall nicht aus – es droht ein lebensgefährlicher Fangstoss.
Kinder unter 40 kg müssen zwingend im Nachstieg mit einem dynamischen Seil zusätzlich von oben gesichert werden. Diese Sicherungstechnik setzt alpine Seilkenntnisse voraus. Zudem sollte deutlich mehr Zeit eingeplant werden, da Kinder schneller ermüden.
Nach der Tour: Feedback und Erhalt unterstützen
Solltest du unterwegs lose Verankerungen, beschädigte Drahtseile oder starke Steinschläge bemerkt haben, melde dies umgehend den verantwortlichen Tourismusbüros oder Hüttenwarten. Viele Steige werden ehrenamtlich instand gehalten – ein kleiner Beitrag in die Kasse am Ausstieg sichert den Erhalt der Route für die Zukunft.
Weiterführende Links und Quellen