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Besser biwakieren: Praktische Tipps für das Übernachten in den Bergen

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Thomas Ebert, Montag, 22. Juli 2024

Ungeplante Biwaks können der Horror sein. Umgekehrt sind geplante Biwaks nicht automatisch ein Traum – aber mit ein paar Tipps steigen die Chancen. Unser Filialleiter und erfahrener Alpinist Ralph Strahberger zeigt, worauf es beim Biwakieren ankommt.

Standortfrage: Blick in die Morgensonne

Während man zum Sonnenuntergang meist noch umherspaziert und dann (am besten gut aufgewärmt) in den Schlafsack schlüpft, bleibt man für den Sonnenaufgang gern noch in selbigem liegen. Ideal ist dann ein freier Blick nach Osten – der verschafft auch früh die ersehnte, wärmende und trocknende Morgensonne. Die aussichtsreichsten Plätze sind oft auch besonders windexponiert – der perfekte Platz ist meist ein Kompromiss aus vielen Faktoren. Mit Karte, Webcams, Satellitenbildern und Sonnenstand-Tools lässt sich einiges ausschliessen, wirklich fündig wird man aber erst vor Ort.


Mauerbau: Abgrenzung und Windschutz

Eine aus umliegenden Steinen errichtete Schutzmauer mindert Windböen. Zugleich dient sie als Begrenzung des Aktionsradius, speziell in ausgesetztem Gelände. Gelegentlich stösst man im Gebirge auf solche Mauern oder Reste davon. Gut erhaltene Mauern sind ein Indiz dafür, dass der Biwakplatz gut gewählt ist.


Der Prinz auf der Erbse: Unterlagen  

Ralphs Komplett-Setup weist fast so viele Schichten auf wie im Märchen: Eine Faltmatte aus geschlossenzelligem Schaumstoff dient als Grundlage und Bodenschutz. Darauf folgt eine Luftmatte für Isolation und Schlafkomfort. So werden auch Nächte auf Böden erträglich, die sich nicht einebnen lassen. Den wärmebewahrenden Schlafsack schützt ein Biwaksack vor Wind und Niederschlag (Tau!). Gute Biwaksäcke haben auch ein Mückennetz.


Vorausschauende Wasserversorgung 

Vorausschauender Umgang empfiehlt sich mit dem Thema Wasser. Wer im Voraus nicht zweifelsfrei klären kann, ob Schneefelder oder gar Quellen in der Nähe verfügbar sind, deckt sich bei der letzten Gelegenheit mit Trink-, Koch- und etwas Waschwasser ein – durstig macht auch ein geplantes Komfortbiwak wenig Freude. Für grössere Mengen (4 bis 6 Liter) sind Wasserschläuche eine gute Wahl. Wer's braucht: Für die Katzenwäsche genügen auch zwei bis drei Feuchttücher – die man wie alles andere natürlich wieder mit ins Tal nimmt.


Nahrung für unterwegs: leicht im Gewicht – sättigend am Berg

Gefriergetrocknete Fertigmahlzeiten sind leicht, nahrhaft und mangels Geschirr entfällt der Abwasch. Tipp: Ein möglichst langer Löffel erleichtert das Auskratzen der Tüten. Mancher Biwakfan schwört auf ein kleines Fläschchen mit Olivenöl zum Aufpeppen der «Astronautennahrung». Wer kochtechnisch aktiver werden will, als nur heisses Wasser aufzugiessen, kann den Aufstieg ins Biwak nutzen und z.B. Couscous, Linsen oder andere Hülsenfrüchte in kaltem Wasser quellen lassen. Nüsse oder kleinen Naschkram kann man gut in wiederverschliessbaren Ziplocks transportieren.


Gimmicks und Gadgets für mehr Komfort

Eine Wärmflasche muss man nicht extra mit auf den Berg schleppen: Es genügt, das Teewasser für den nächsten Morgen schon abends heiss mit in den Schlafsack zu nehmen. Prinzipiell ist die Skala an kleinen Helferlein nach oben offen. Von faltbaren Bechern über aufblasbare Kopfkissen und Powerbanks bis hin zu isolierten Bierflaschen, kompakten Kaffeekochern und ultraleichten Pfeffermühlen: Für fast jeden denkbaren Luxus gibt es heutzutage eine Lösung. Zur Wahrheit gehört aber auch: Kaum etwas macht zufriedener, als mit wenig gut auszukommen.


Tatortreiniger: Hinterlasse keine Spuren!

Selbstverständlich hinterlässt man den Biwakplatz so sauber, wie man ihn vorgefunden hat.

Rücksicht auf Natur und Umwelt 

Verglichen mit anderen Alpenländern ist das Biwakrecht in der Schweiz sehr liberal. Damit das so bleibt, steht über dem eigenen Genuss natürlich die Rücksicht auf Natur und Umwelt. Biwaks in Schutzgebieten sind tabu, es gilt der Grundsatz «Leave no Trace». 

Weitere Informationen zu Biwak- und Campingregeln findest du in diesem Blogbeitrag

Fotos: Urs Nett

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